Die Europäische Kommission will mit dem sogenannten Passenger Package grenzüberschreitende Reisen einfacher buchbar, transparenter und besser vergleichbar machen. Der Deutsche Reiseverband (DRV) unterstützt diese Ziele. Im laufenden Gesetzgebungsverfahren fordert der Verband jedoch eine klare und ausgewogene Zuordnung der Verantwortlichkeiten sowie eine Begrenzung der Haftung von Reisevermittlern und Veranstaltern auf ein Minimum.
„Eine pauschale Haftung von Reisebüros und anderen Vermittlern für Leistungen, Entscheidungen oder Versäumnisse der Beförderungsunternehmen wäre unverhältnismäßig. Verantwortung muss dort liegen, wo die jeweilige Leistung erbracht und kontrolliert wird“, sagte DRV-Präsident Albin Loidl bei einem politischen Frühstück in Brüssel. Der DRV hatte gemeinsam mit seinem europäischen Dachverband ECTAA den Berichterstatter für das Passenger Mobility Package, Jan-Christoph Oetjen, MdEP, sowie Vertreterinnen und Vertreter des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission zu einem Austausch eingeladen.
Aus Sicht des DRV müssen die neuen Regelungen fair, praxistauglich und rechtssicher ausgestaltet werden. Sie sollten den Wettbewerb im Vertrieb fördern, ohne bewährte Vertriebsmodelle oder Pauschalreiseangebote unangemessen zu erfassen oder zu benachteiligen.
Klare Zuständigkeiten statt pauschaler Vermittlerhaftung
Dabei müsse die Haftung grundsätzlich dort verbleiben, wo die maßgeblichen Informationen bereitgestellt oder die jeweilige Verkehrsleistung erbracht werde. „Reisevermittler und Veranstalter dürfen nicht für Fehler oder Ausfälle haften, die außerhalb ihres Einflussbereichs liegen“, betonte Loidl. „Wer eine Leistung erbringt oder eine Information bereitstellt, muss dafür Verantwortung übernehmen. Eine Verlagerung zusätzlicher Risiken auf unabhängige Vermittler würde den Wettbewerb und bremsen – und damit letztlich auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern schaden.“
Das Passenger Package umfasst drei eng miteinander verbundene Gesetzgebungsvorschläge zu multimodalen Buchungen, zum Bahnticketing und zu den Fahrgastrechten bei durchgehenden beziehungsweise kombinierten Fahrkarten.
Mehrtägige politische Gespräche des DRV in Brüssel
Am Tag vor dem Politikfrühstück hatten DRV-Präsident Albin Loidl, Hauptgeschäftsführer Achim Wehrmann und Bereichsleiter Europapolitik Jan Jacobs bei intensiven politischen Gesprächen mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments für einen ausgewogenen Verbraucherschutz und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen geworben. Im Mittelpunkt des Austausches – unter anderem mit der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Katarina Barley, und Elissavet Vozemberg-Vrionidi, Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und Tourismus (TRAN) – standen die aktuellen Herausforderungen der Reisewirtschaft und die Frage, wie europäische Regulierung wirksam, ausgewogen und praxistauglich gestaltet werden kann. DRV-Präsident Loidl stellte dabei klar: „Verbraucherschutz ist wichtig, darf aber nicht zu unverhältnismäßigen Belastungen der Reiseunternehmen führen.“ Zudem plädiert der Verband für grundlegend reibungslosere, schnellere und unkompliziertere Visaverfahren, nicht zuletzt für Geschäftsreisen nach Europa.
