Reisewirtschaft braucht bessere Rahmenbedingungen für den Wandel

Hauptstadtkongress: DRV-Präsident fordert faire Wettbewerbsbedingungen, wettbewerbsfähige Standortkosten und eine ausgewogene Regulierung

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Die Reisewirtschaft steht unter wirtschaftlichem Druck und befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Steigende Kosten, geopolitische Krisen, neue Technologien und wachsende regulatorische Anforderungen stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. In seiner Grundsatzrede beim Hauptstadtkongress des Deutschen Reiseverbandes (DRV) fordert DRV-Präsident Albin Loidl bessere politische Rahmenbedingungen für die Branche. Zugleich appelliert er an die Unternehmen, den Wandel durch Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle selbst aktiv zu gestalten und in ihre Zukunftsfähigkeit zu investieren.

„Die Reisewirtschaft braucht faire Spielregeln, wirtschaftlichen Spielraum und eine Politik, die Veränderung ermöglicht, statt sie auszubremsen“, betont Loidl. Entscheidend seien wettbewerbsfähige Standortbedingungen, weniger Bürokratie und verlässliche Regeln, die auch für kleine und mittelständische Unternehmen praktikabel sind. „Es fehlt wirtschaftliche Dynamik und Zuversicht.“

Die Menschen wollen reisen, aber Urlaub muss bezahlbar bleiben

Für die laufende Sommersaison zeichnet sich laut DRV ein Umsatzplus von vier Prozent und ein Zuwachs von zwei Prozent bei den Reisenden gegenüber dem Vorjahr ab. Für das gesamte Touristikjahr wird aktuell ein Umsatzplus von drei Prozent erwartet. Gleichzeitig wächst die Preissensibilität der Menschen: Für den kommenden Winter liegen die Buchungen nach derzeitigem Stand beim Umsatz um zwei Prozent und bei der Zahl der Reisenden um sechs Prozent unter dem Vorjahrsniveau.

„Wenn die Lebenshaltungskosten weiter steigen, geraten auch die Budgets vieler Menschen unter Druck“, so Loidl. Die Politik müsse deshalb Bürgerinnen und Bürger entlasten und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Urlaub bezahlbar bleibt. Gleichzeitig brauche die Reisewirtschaft eine sichere und bezahlbare Energieversorgung, eine funktionierende Infrastruktur und konsequenten Bürokratieabbau.

„Die Reisewirtschaft ist ein beträchtlicher Wirtschaftsfaktor“, unterstreicht Loidl. Sie schaffe Millionen Arbeitsplätze und sichere Wertschöpfung. Das gelte für den Urlaubsreisemarkt ebenso wie für Geschäftsreisen, die internationale Kontakte und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärkten. „Wenn Unternehmen investieren und Arbeitsplätze sichern sollen, dann muss die Politik einen verlässlichen Rahmen setzen. Einen Rahmen, der Veränderung ermöglicht, statt sie durch immer neue Kosten, Bürokratie und Überregulierung zu erschweren.“

Wettbewerbsfähige Standortkosten statt zusätzlicher Belastungen

Besonders dringlich sei eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Luftverkehr. Die kürzlich erfolgte Senkung der Luftverkehrsteuer sei ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber nicht aus. Der DRV fordert weiterhin die vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer sowie niedrigere staatliche Gebühren und Abgaben.

„Deutschland kann nicht mehr internationale Verbindungen und Wachstum fordern und gleichzeitig das Fliegen ab Deutschland immer weiter verteuern. Dann verlieren am Ende alle – Reisebüros, Reiseveranstalter, Familien und letztlich der gesamte Wirtschaftsstandort.“

Auch bei der Regulierung müsse ein Kurswechsel erfolgen. Regeln seien dort notwendig, wo sie Verbraucher schützen und verlässliche Standards schaffen. Sie dürften Unternehmen aber nicht mit unverhältnismäßigem Aufwand belasten. „Gerade mittelständische Betriebe können regulatorische Anforderungen nicht mit denselben Ressourcen bewältigen wie internationale Konzerne. Das gilt es konsequent zu berücksichtigen“, so der DRV-Präsident.

Verbraucherschutz und Wettbewerbsfähigkeit zusammen denken

Am Beispiel des Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) macht Loidl deutlich, dass Verbraucherschutz und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eng zusammengehören. Die zum 1. November vorgesehene Senkung des Absicherungsentgelts auf 0,25 Prozent entlaste die abgesicherten Reiseveranstalter und stärke die Wettbewerbsfähigkeit der Pauschalreise. „Hier darf aber noch nicht Schluss sein – wir brauchen zeitnah die Absenkung auf null Prozent.“ Zugleich müsse die Absicherung von Reisenden langfristig so gestaltet werden, dass sie wirksam schützt und dabei wirtschaftlich ausgewogen bleibt. „Verbraucherschutz darf nicht gegen Wettbewerbsfähigkeit ausgespielt werden. Wir wollen beides: einen starken Schutz für Reisende und Unternehmen, die wirtschaftlich gesund bleiben.“

Auch auf europäischer Ebene setzt sich der Verband für praxistaugliche Regulierung und einen ausgewogenen Verbraucherschutz ein. Bei der Reform der EU-Pauschalreiserichtlinie konnten aus Sicht des DRV wichtige zusätzliche Belastungen verhindert werden. Nun komme es darauf an, die neuen Vorgaben in Deutschland, ohne zusätzliche nationale Verschärfungen umzusetzen.

Kritisch bewertet der DRV die Rückzahlung von Vermittlungsgebühren bei Flugannulierungen im Rahmen der EU-Fluggastrechte-Reform. Loidl: „Regeln müssen fair sein und die tatsächlichen Verantwortlichkeiten abbilden. Wer Vermittlungsleistungen erbringt, darf nicht für Risiken haften, die er nicht steuern kann. Das schadet dem Reisevertrieb und den Travel Management Companies.“

Darüber hinaus seien funktionierende Visaverfahren und die zuverlässige Umsetzung des europäischen Entry/Exit-Systems unerlässlich, damit Europa sicher und zugleich erreichbar bleibe.

Klimaschutz braucht Investitionen und verlässliche Bedingungen

Zur Zukunftsfähigkeit der Reisewirtschaft gehöre unabdingbar der Klimaschutz. Unternehmen arbeiteten an Lösungen, um Emissionen zu reduzieren. Damit die Transformation gelinge, müssten jedoch die notwendigen Technologien und Energieträger verfügbar und wirtschaftlich einsetzbar sein. Insbesondere brauche es mehr nachhaltige Kraftstoffe für Luftverkehr und Kreuzfahrt sowie Planungssicherheit für Investitionen.

„Klimaschutz gelingt nicht durch Vorgaben allein. Wer Klimaneutralität erreichen will, muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen – mit verfügbaren Technologien, geeigneten Energieträgern und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen.“

KI und Fachkräfte als Schlüssel für die Zukunft – Neue Ausbildungsordnung auf DRV-Agenda

Neben besseren Rahmenbedingungen durch die Politik müsse auch die Branche selbst Verantwortung übernehmen. Unternehmen seien gefordert, Prozesse weiterzuentwickeln, neue Technologien einzusetzen und ihre Geschäftsmodelle zukunftsfähig aufzustellen. Dabei spiele künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle. „Gerade deshalb müssen wir auch dafür sorgen, dass kleine und mittlere Unternehmen Zugang zu neuen Technologien haben und sie im Wettbewerb einsetzen können.“

Qualifizierte Fachkräfte sind eine weitere zentrale Voraussetzung für die Zukunft. „Wir brauchen junge Menschen, die Lust auf die Reisewirtschaft haben“, so Loidl. „Und wir müssen ihnen eine Ausbildung bieten, die sie auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet.“ Die Ausbildungsordnung für Tourismuskaufleute sei inzwischen 15 Jahre alt und müsse dringend an die veränderten Anforderungen angepasst werden. „Digitalisierung, KI und ein verändertes Kundenverhalten haben die Arbeit grundlegend verändert.“ Gleichzeitig gefährdeten sinkende Ausbildungszahlen den Erhalt von Fachklassen und damit die Ausbildungsinfrastruktur. Deshalb hat der Verband die Modernisierung der Ausbildungsordnung auf die Agenda gesetzt. „Wir brauchen eine neue, zeitgemäße und zukunftsfähige Ausbildungsordnung. Als DRV setzen wir uns mit Nachdruck und mit starker Stimme dafür ein, dass die Ausbildung der Tourismuskaufleute fit für die Zukunft wird.“

DRV vertritt die Interessen der gesamten Reisewirtschaft

Zum Abschluss unterstreicht der DRV-Präsident die Rolle des DRV als Interessenvertretung der gesamten Reisewirtschaft. Ziel sei es, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die gesamte Branche zu verbessern – durch frühzeitigen Dialog mit Politik und Institutionen in Berlin und Brüssel, konkrete Vorschläge und den konsequenten Einsatz für faire Wettbewerbsbedingungen.

„Die Reisewirtschaft hat Zukunft – wenn Unternehmen gestalten können und die Politik die richtigen Voraussetzungen schafft. Dafür setzen wir uns ein – in Berlin und in Brüssel. Dafür steht der DRV.“

 

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