Reisevertrieb braucht faire Wettbewerbsbedingungen und Unterstützung bei der Digitalisierung

DRV bei Anhörung im Tourismusausschuss: Kleine Reisebüros unter Druck – KI bietet Chancen, darf aber nicht zu neuer Marktmacht weniger Technologiekonzerne führen

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Kleine und eigenständige Reisebüros stehen vor wachsenden Herausforderungen: Verändertes Kundenverhalten, digitale Vertriebsplattformen und neue technologische Möglichkeiten verändern den Markt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Technologie, Prozesse und Fachkräfte. Bei der heutigen öffentlichen Anhörung des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestages zur „Situation der Reisebüros und Reiseveranstalter“ mit Schwerpunkt auf die Zukunftsperspektiven der Branche und Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz hat der Deutsche Reiseverband (DRV) für faire Wettbewerbsbedingungen und bessere Rahmenbedingungen für die digitale Transformation der Branche geworben. „Die Zukunft des Reisevertriebs entscheidet sich nicht allein an der Frage, wer die beste Technologie hat. Entscheidend ist, ob Unternehmen Zugang zu dieser Technologie haben, ob der Wettbewerb fair bleibt und wie sie ihre eigenen Stärken ausspielen können“, sagt DRV-Präsident Albin Loidl, der als Sachverständiger in der Anhörung geladen war. Er machte dabei auf die Herausforderungen für den wirtschaftlichen Erfolg für Reisebüros und Reiseveranstalter aufmerksam. Unter anderem durch Preis- und geopolitische Entwicklungen, die Auswirkungen auf Buchungen und Umsätze haben.

Im Wettbewerb mit Plattformen eigene Stärken ausbauen

Gerade für kleine und eigenständige Reisebüros wird der Wettbewerbsdruck zudem durch onlinegestützte Vertriebsplattformen zunehmend spürbar. Dennoch sieht der DRV geringe Chancen, das Geschäftsmodell der Plattformen über wettbewerbsrechtliche Einschränkungen zurückzudrängen. Vielmehr komme es darauf an, die Wettbewerbsfähigkeit des stationären und persönlichen Vertriebs weiter zu stärken. „Reisebüros sollten sich auf ihre expliziten Stärken besinnen und diese noch deutlicher herausstellen: Beratung, Empathie, Erfahrung und verlässliche Unterstützung – gerade dann, wenn eine Reise nicht nach Plan läuft“, so Loidl. Die Zukunft des Reisebüros liegt dabei nicht in einem Gegensatz zwischen persönlicher und digitaler Beratung, sondern in der intelligenten Verbindung beider Welten.

Für die Zukunftsfähigkeit des Reisevertriebs brauche es neben Digitalisierung und KI insbesondere effizientere Prozesse und Schnittstellen zwischen Reisebüros, Reiseveranstaltern und Leistungsträgern. Auch die Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte bleibe eine zentrale Aufgabe.

„KI ist ein wichtiger Teil der Zukunft – aber sie ist nicht die gesamte Antwort. Zukunftsfähigkeit entsteht dort, wo Technologie, qualifizierte Menschen und gute Prozesse zusammenspielen“, fasst Loidl zusammen.

KI verändert das Reisegeschäft bereits heute

Künstliche Intelligenz ist in der Reisewirtschaft längst keine Zukunftstechnologie mehr. Reiseveranstalter nutzen KI bereits in vielen Bereichen. Im Reisevertrieb kommen KI-Anwendungen insbesondere in Planungs- und Buchungsprozessen zum Einsatz.

KI kann dabei beispielsweise geeignete Reiseverbindungen identifizieren, Angebote erstellen und Buchungen automatisieren. Während der Reise unterstützen virtuelle Assistenten bei Informationen zu Verspätungen und Störungen und können bei der Suche nach alternativen Verbindungen helfen. In der Anhörung betonte Loidl, dass der Verband seine Mitglieder beim Einsatz und den Möglichkeiten von KI auch durch Schulungs- und Webseminare sowie Informationspapiere unterstütze.

„Der internationale Wettbewerb hat bei der KI-Entwicklung ein hohes Tempo vorgegeben. Die deutsche Reisewirtschaft muss deshalb in der Lage sein, diese Technologien ebenfalls schnell und sinnvoll einzusetzen“, erläutert der DRV-Präsident. „KI kann Fachkräfte bei wiederkehrenden Aufgaben erheblich entlasten und gleichzeitig das Kundenerlebnis verbessern. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung durch Menschen.“

DRV warnt vor Konzentration von Daten und digitaler Marktmacht

Mit der zunehmenden Nutzung von KI wächst aus Sicht des DRV zugleich die Bedeutung von Daten. Der Verband warnt davor, dass sich digitale Besucher- und Umsatzströme immer stärker auf wenige globale Technologiekonzerne konzentrieren könnten. „Wenn wenige globale Plattformen über immer größere Datenbestände und den direkten Zugang zu Kunden verfügen, kann daraus eine erhebliche Marktmacht entstehen. Das müssen Politik und Gesetzgeber im Blick behalten“, sagt Loidl.

Der DRV fordert deshalb einen wirksamen Schutz geistigen Eigentums und faire Wettbewerbsbedingungen auch im digitalen Umfeld. Gleichzeitig müssten kleine und mittlere Unternehmen beim Aufbau digitaler Kompetenzen unterstützt werden.

Politische Rahmenbedingungen müssen mit Entwicklung Schritt halten

Die Anhörung des Tourismusausschusses sei deshalb ein wichtiger Anlass, die politischen Rahmenbedingungen für die Reisewirtschaft weiterzuentwickeln. Aus Sicht des DRV darf sich die Debatte dabei nicht auf einzelne technologische Anwendungen beschränken.

„Die Reisewirtschaft braucht keine Sonderbehandlung. Sie braucht faire Bedingungen, unter denen Unternehmen investieren, innovativ sein und im Wettbewerb bestehen können“, betont Loidl. „Dazu gehören ein verlässlicher Rechtsrahmen, Schutz vor einer übermäßigen Konzentration digitaler Marktmacht sowie gezielte Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen bei der digitalen Transformation.“

Der DRV begrüßt ausdrücklich, dass der Tourismusausschuss die Situation von Reisebüros und Reiseveranstaltern zum Gegenstand einer öffentlichen Anhörung gemacht hat. Aus Sicht des Verbandes bilden die beiden Bereiche einen zentralen Pfeiler des organisierten Reisens in Deutschland – und benötigen entsprechende politische Aufmerksamkeit.

„Die Reisewirtschaft ist bereit für den nächsten Schritt. Jetzt geht es darum, die richtigen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen“, betont Loidl in der Stellungnahme des Verbandes.

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