Nach der Messe in Hamburg noch zwei Tage bleiben, den Kundentermin in Barcelona um ein Wochenende verlängern: Für viele Geschäftsreisende ist das inzwischen selbstverständlich. Bleisure – die Verbindung von Business und Leisure – ist in den Unternehmen angekommen. Gemeinsam mit Workation wird sie zunehmend unter dem Begriff Blended Travel zusammengefasst: Reiseformen, bei denen Berufliches und Privates ineinandergreifen. Damit ändert sich die Frage, die sich Unternehmen stellen sollten. Es geht weniger darum, ob sie private Verlängerungen zulassen, als vielmehr darum, wie bewusst sie das Thema gestalten: Wer verantwortet es, für wen soll es gelten, und welchen Stellenwert hat es im Zusammenspiel von Geschäftsreisemanagement und Arbeitgeberattraktivität?
Laut einer repräsentativen Befragung aus dem Juni 2026 von 3.000 Geschäftsreisenden durch das Bayerische Zentrum für Tourismus (BZT) in Kooperation mit dem GCB German Convention Bureau und dem Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) haben 67 Prozent der deutschen Geschäftsreisenden bereits eine Dienstreise mit einem privaten Aufenthalt verbunden. Drei Viertel von ihnen planen das auch 2026. Und: In zwei Dritteln der Unternehmen gibt es nach Angaben der Befragten bereits Richtlinien oder zumindest Empfehlungen dazu.
„Blended Travel hat den Sprung von der Ausnahme zur Erwartung geschafft“, sagt Andreas Neumann, Geschäftsführer ADAC Reisevertrieb und Mitglied der Initiative Chefsache Business Travel. „Die meisten Unternehmen haben inzwischen verstanden, dass sie das Thema regeln müssen. Jetzt kommt der nächste Schritt: Blended Travel nicht nur zu erlauben, sondern bewusst zu entscheiden, welchen Platz es im eigenen Geschäftsreisemanagement haben soll.“
Ein Thema ohne klaren Besitzer
In vielen Unternehmen sitzt Bleisure zwischen den Stühlen. HR sieht darin ein Argument im Wettbewerb um Fachkräfte, Finance achtet auf die saubere Trennung der Kosten, das Travel Management auf Prozesse und Fürsorge. Wer am Ende entscheidet, ist oft nicht festgelegt.
Dabei lohnt ein ehrlicher Blick auf den Stellenwert. 51 Prozent der vom BZT Befragten sagen, dass Bleisure die Attraktivität eines Arbeitgebers stark oder sehr stark erhöht. Flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten wiegen für sie allerdings noch schwerer. Bleisure ist damit ein Baustein der Arbeitgeberstrategie – aber kein Ersatz für gute Arbeitsbedingungen. Genau diese Einordnung gehört an den Tisch, an dem HR und Travel Management gemeinsam entscheiden.
Auch die Regeln selbst verdienen einen zweiten Blick. Wo Richtlinien nicht zur persönlichen Reiseplanung passen, hält sich laut BZT zwar die Mehrheit daran, gut ein Viertel erwirkt jedoch eine Ausnahme. Für Travel Manager ist das ein Hinweis darauf, wo Policy und Praxis auseinanderlaufen.
Wo die Grenzen liegen
Dass Kosten, Steuern und Versicherungsschutz sauber geregelt sein müssen, ist für die meisten Unternehmen inzwischen gesetzt. Weniger Beachtung finden die Grenzen von Bleisure als Benefit.
Nicht jede Tätigkeit und nicht jede Lebenssituation erlaubt eine private Verlängerung. Wer Kinder betreut oder Angehörige pflegt, profitiert kaum davon. Rund ein Viertel der Geschäftsreisenden ohne Bleisure-Erfahrung trennt zudem bewusst zwischen Beruf und Privatem. Wird Bleisure als Benefit beworben, darf daraus weder eine stille Erwartung noch ein Vorteil für wenige entstehen.
„Blended Travel ist ein schönes Angebot, aber kein Pflaster für zu dicht getaktete Dienstreisen“, sagt Neumann. „Wenn Mitarbeitende nur noch durch ein privates Wochenende wieder zu Kräften kommen, sollte man sich zuerst die Reiseplanung ansehen. Gute Reisen beginnen mit realistischen Terminen, vernünftigen Verbindungen und Erholungszeiten – unabhängig davon, ob jemand verlängert.“
Was Unternehmen daraus lernen können
Aus Sicht der Initiative ergeben sich drei Schritte. Erstens sollten Unternehmen die Zuständigkeit festlegen: Bleisure braucht einen klaren Verantwortlichen, idealerweise das Travel Management in enger Abstimmung mit HR. Zweitens lohnt es sich, Policy und Praxis abzugleichen: Wo häufen sich Ausnahmen, wo wird die Regel nicht genutzt? Die TMC kann dazu Buchungsdaten anonymisiert auswerten. Drittens gilt es, ehrlich zu kommunizieren und Bleisure als eine Möglichkeit darzustellen; als einen Baustein unter mehreren, nicht als zentrales Versprechen.
Damit wird Blended Travel zu einem Beispiel für die neue Rolle des Travel Managers: Es geht nicht um die einzelne Reise, sondern um ein Komplett-Programm, das zu Unternehmen und Mitarbeitenden passt. Die TMC unterstützt dabei mit belastbaren Daten, Erfahrung aus der Betreuung vieler Unternehmen und der operativen Umsetzung
Quelle: Bayerisches Zentrum für Tourismus (BZT) mit GCB und VDR, „Bleisure-Reisen deutscher Geschäftsreisender“, Juni 2026.
Über „Chefsache Business Travel“
„Chefsache Business Travel“ ist eine Initiative der Travel Management Companies im Deutschen Reiseverband (DRV). Ziel der Kampagne ist es, Geschäftsreisen als strategisches Managementthema zu positionieren und Entscheider für die Vorteile eines professionellen Geschäftsreisemanagements in Zusammenarbeit mit spezialisierten Geschäftsreisebüros zu sensibilisieren. Die Initiative versteht sich als zentrale Informationsquelle und Meinungsbildner rund um modernes Travel Management für Geschäftsführungen, Travel Manager, HR-Verantwortliche, Assistenzen und Geschäftsreisende. Getragen wird die DRV-Initiative von den Travel Management Companies ADAC Reisevertrieb, BCD Travel und Lufthansa City Center.
