Die Eco­Tro­phea

Die Internationale Auszeichnung für Umweltschutz und soziale Verantwortung im Tourismus ist eine der traditionsreichsten Auszeichnungen der Reisewirtschaft. Die EcoTrophea wurde 1987 vom DRV ins Leben gerufen. Prämiert werden nationale und internationale Projekte, die einen wirkungsvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit im Tourismus leisten.

Das The­ma der Eco­Tro­phea 2026: Zu­sam­men­ar­beit mit lo­ka­len Ge­mein­den für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung

Bewerbungsphase ist beendet

 

Reisen bedeutet für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. Für die Menschen vor Ort ist Tourismus jedoch Teil ihres Alltags und ihrer Lebensrealität. Tourismus kann zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen, Arbeitsplätze schaffen, regionale Wertschöpfung stärken und Investitionen in Infrastruktur fördern. Gleichzeitig können Herausforderungen entstehen, etwa steigende Lebenshaltungskosten für die lokale Bevölkerung, knapper Wohnraum, Nutzungskonflikte um Ressourcen oder der Verlust kultureller Identität.

Die DRV-EcoTrophea 2026 widmet sich daher dem Thema „Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden für nachhaltige Entwicklung“. Die Bewerbungsphase ist beendet. Die Verleihung der EcoTrophea 2026 findet im Rahmen des DRV Hauptstadtkongresses am 15. Oktober 2026 in Berlin statt. Dort wird auch das ausgezeichnete Projekt einer breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Mit der EcoTrophea zeichnet der Deutsche Reiseverband (DRV) herausragende Nachhaltigkeitsprojekte der Reisewirtschaft aus und macht innovative Ansätze innerhalb der Branche sichtbar. Die Auszeichnung bietet die Möglichkeit, Projekte und deren Ziele einer breiten Fachöffentlichkeit zu präsentieren, neue Kontakte innerhalb der Tourismusbranche zu knüpfen und den Wissenstransfer zu nachhaltigen Lösungsansätzen zu fördern.

Die drei Fi­na­lis­ten des 39. DRV-Nach­hal­tig­keits­prei­ses ste­hen fest – in al­pha­be­ti­scher Rei­hen­fol­ge:

Eco­ma­pu Tra­vel: Lo­ka­le Wert­schöp­fung in Val­pa­raí­so

Das chilenische Unternehmen Ecomapu Travel koordiniert seit 2015 ein Community-based-Tourism-Modell in Valparaíso, Chile. Dabei bringt der Reiseveranstalter lokale Gastfamilien, Guides und weitere Anbieter mit Reisenden und öffentlichen Institutionen zusammen. Ausgangspunkt war die gemeinsame Entwicklung der „Ruta La Matriz“ in sozial benachteiligten beziehungsweise vom Tourismus bislang wenig einbezogenen UNESCO-Welterbe-Gebiete der Stadt.

Nach Angaben von Ecomapu Travel nehmen jährlich rund 7.000 Reisende an elf Kleingruppen-Erlebnissen teil. Das Netzwerk umfasst fünf Gastfamilien, 14 Guides und mehr als 20 lokale Anbieter. Rund 80.000 US-Dollar Visitor Spending verbleiben laut Bewerbung durch direkte Zahlungen vor Ort. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind an Entscheidungen über Routen, Geschichten, Preise und neue Aktivitäten beteiligt. Jährlich finden vier Beteiligungstreffen statt. Über eine Kooperation mit der University of Valparaiso wurden zudem zwölf Köchinnen und Köche beziehungsweise Teilnehmende sowie weitere lokale Akteure qualifiziert. Traditionelle Rezepte, lokale Geschichten und das Wissen der Bewohner fließen in die touristischen Erlebnisse ein.

G Ad­ven­tures: Öko­sys­te­me stär­ken und lo­ka­le Struk­tu­ren för­dern

Mit „Trees for Days“ verbindet G Adventures ökologische Wiederherstellung mit lokalen Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Für jeden Reisetag eines G-Adventures-Gastes wird im Rahmen des Programms ein Baum gepflanzt. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der lokalen Steuerung: Lokale Gemeinschaften wählen die geeigneten Baumarten aus, betreiben eigene Baumschulen und übernehmen Management, Monitoring und Governance der Projekte über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren.

Nach Angaben von G Adventures wurden bislang 6,6 Millionen Bäume gepflanzt und 224.390 Menschen begünstigt. 13.171 Menschen profitierten demnach direkt durch Jobs, Einkommen und Trainings. Kollektiv betriebene Gemeinschaftsgärten schaffen lokale Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Projekte berücksichtigen lokale Prioritäten und traditionelles Wissen – darunter indigene Ernährungssysteme in Kanada, von Frauen geführte Baumschulen in Kenia und lokale Projekte in Marokko und Madagaskar.

HX Ex­pe­di­ti­ons: Tou­ris­mus ge­mein­sam mit Inu­it Com­mu­nities ge­stal­ten

Mit „Northwest Passage: Creating Economic Value Through Community-Led Experiences“ setzt das Kreuzfahrtunternehmen HX Expeditions in der kanadischen Arktis auf ein von Inuit Communities mitgestaltetes Ausflugsprogramm. Ziel ist es laut Unternehmen, touristische Besuche in den Gemeinden stärker mit lokaler Governance, traditionellem Wissen und direkter lokaler Wertschöpfung zu verbinden. Die Gemeinden wirken an der Gestaltung der touristischen Angebote und an der Routenplanung mit und erzielen daraus unmittelbar Einnahmen.

Nach Angaben von HX Expeditions generierten zwei Reisen durch die Northwest Passage im Sommer 2025 rund 260.000 Euro direkte Einnahmen über von den Gemeinden organisierte Aktivitäten. Weitere rund 77.000 Euro wurden demnach über optionale von der lokalen Community geleitete Ausflüge direkt an die beteiligten Personen gezahlt. Die lokale Beteiligung wurde auf 20 bis 30 Personen pro Community ausgeweitet. In die Angebote werden zudem lokale Expertinnen und Experten eingebunden – etwa für traditionelle Qulliq*-Zeremonien und Führungen zu Kulturerbestätten. Auch traditionelle Handwerkskunst und mündliches Storytelling sind Bestandteil der touristischen Erlebnisse.

*flache, steinerne Öllampen

Die Be­wer­tungs­kri­te­ri­en

Die Jury bewertet die eingereichten Projekte ausschließlich anhand der in der Application Form eingereichten Informationen sowie der dort dargestellten Ergebnisse, Praxisbeispiele und soweit in der jeweiligen
Bewerbung enthaltenen quantitativen Angaben. Mehr zu den Kriterien hier.

 

Die Ju­ry 2026

Der Jury gehören Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Universitäten, Weiterbildungseinrichtungen sowie des DRV-Nachhaltigkeitsausschusses an. Die Jury nominiert drei Projekte, von denen eines als Sieger ausgezeichnet wird.

The jury consists of representatives from companies, universities, education institutions and the DRV Sustainability Committee. The jury nominates three projects, one of which is awarded as the winner.

Prof. Dr. Harald Zeiss
Professor, Hochschule Harz und Vorsitzender des DRV-Ausschusses Nachhaltigkeit
Prof. Dr. Julia Beelitz
Professorin für ABWL und Nachhaltiges Tourismusmanagement, Hochschule Worms University of Applied Sciences, Mitglied des DRV-Ausschusses Nachhaltigkeit
Prof. Dr. Nicole Häusler
Professorin für Tourismusmanagement, International University Hamburg
Claudia Mitteneder
Geschäftsführerin, Studienkreis für Tourismus und Entwicklung
Katrin Rieger
Bereichsdirektorin Reisevertrieb Deutschland, HanseMerkur Reiseversicherung, Mitglied des DRV-Ausschusses Nachhaltigkeit
Dr. Kurt von Storch
Geschäftsführer EuropeSpa, Mitglied des DRV-Ausschusses Nachhaltigkeit

Über­sicht: Ge­win­ner der Eco­Tro­phea

2025: Biodiversität

Die Via Transilvanica ist Rumäniens erster durchgehender Fernwanderweg und führt auf über 1.600 Kilometern durch die Karpaten, die Bukowina und die Banater Berge. Initiiert von der Tasuleasa Social Association, verbindet der Weg mehr als 400 Ortschaften und 20 ethnische Gemeinschaften. Er durchquert Landschaften mit einer beeindruckenden Vielfalt an Ökosystemen – von dichten Wäldern über Hochweiden bis hin zu artenreichen Flusstälern. Viele Abschnitte liegen in Regionen mit geschützter Flora und Fauna, darunter Bären, Wölfe, Luchse und zahlreiche endemische Pflanzenarten, die in den Karpaten überleben. Die Via Transilvanica macht diese Biodiversität für Wanderer erlebbar, lenkt den Tourismus in nachhaltige Bahnen und fördert gleichzeitig die Bewahrung ländlicher Lebensräume. Mit jedem Schritt unterstützen die Wanderer den Schutz eines der letzten großen Wildnisräume Europas.

 

2024: Fernweh Fair Travel: Frauen stärken durch nachhaltigen und gemeinschaftsorientierten Tourismus

Fernweh Fair Travel bietet geführte, individuelle Touren für Kleingruppen an, die Naturerlebnisse mit kulturellen Aktivitäten der indigenen Bevölkerung kombinieren. Für die Frauen in der Region schafft der Tourismus nicht nur Einkommensmöglichkeiten, er trägt auch zur Wiederbelebung des traditionellen Kunsthandwerks bei. Im Mittelpunkt stehen insbesondere Frauen, die als junge Witwen aus der lokalen Gemeinschaft ausgestoßen wurden. Durch das Projekt erhalten sie eine nachhaltige Lebensperspektive.

 

2023: Sentido Galomar Ecohotel: Wassereinsparung im Mittelpunkt

100 Prozent energieautark, hocheffiziente Ausstattung beim Energie- und Wasserverbrauch, Nutzung von Regen- und Meerwasser wo immer möglich – damit hat das Sentido Galomar Ecohotel auf der portugiesischen Insel Madeira die Jury überzeugt und die EcoTrophea 2023 gewonnen.

 

2022: Studiosus Reisen: Transparenter Klimaschutz

Studiosus stellt seit 2021 alle Reisen durch Kompensation der CO2-Emissionen und anderer klimarelevanten Treibhausgase (CO2e) klimaneutral. Dazu veröffentlicht Studiosus seit 2022 zudem den kompletten CO2e-Fußabdruck jeder Reise. Dadurch wird für Transparenz gesorgt und die Kundinnen und Kunden können die Klimawirkung ihrer Reise bei der Entscheidung berücksichtigen

 

2021: Iberostar für Wave of Change

„Wave of Change” steht für ein verantwortungsvolles Tourismusmodell mit umfassenden Maßnahmen zum weltweiten Umweltschutz und zum Schutz der Ozeane. Iberostar hat in der Pandemie diese Strategie um ein umfangreiches Maßnahmenpaket zum Gesundheitsschutz ergänzt – ohne das Umweltengagement zurückzufahren.

 

2020: American Express Global Business Travel für die Software Neo

Die Software Neo, über die Geschäftsreisen gebucht und abgerechnet werden können, berücksichtigt wichtige Aspekte nachhaltigen Reisens. So zeigt sie die CO2-Emissionen für Züge und Flüge an und bietet die Möglichkeit, nach der Höhe der Emissionen zu filtern. Darüber hinaus werden „grüne“ Hotels, die bestimmte Nachhaltigkeitsstandards erfüllen gekennzeichnet. So können Geschäftsreisende fundierte Entscheidungen treffen und werden dabei unterstützt, ihre Reisen nachhaltiger zu gestalten.

 

2019: Futouris als Sonderpreis anlässlich des zehnjährigen Jubiläums

Mit der Auszeichnung würdigt der DRV das vorbildliche und gemeinschaftliche Engagement für Nachhaltigkeit. Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 hat die Brancheninitiative etwa 50 Nachhaltigkeitsprojekte weltweit erfolgreich umgesetzt (Stand: Dezember 2019).

 

2018: Reiseagentur Renard Bleu Touareg für sozialverträglichen Tourismus: Mit Nomaden durch die Wüste Marokkos

Reisenden die Sahara und ihre Menschen näher bringen, heißt die Devise der Reiseorganisation Société Renard Bleu Touareg (renard-bleu-touareg.org) aus Marokko. Unterstützt von Azalay e.V., einem Verein zur Erhaltung der nomadischen Lebensform mit Sitz in Marburg, wurde das Projekt von Nomaden für Nomaden gegründet.

 

2017: TUI Cruises für ein Projekt zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen

Gerade auf Kreuzfahrtschiffen, wo die Gäste rund um die Uhr aus einem besonders großen kulinarischen Angebot wählen können, ist die Zubereitung von Lebensmitteln eine große Herausforderung. Aufgrund höchster Hygieneanforderungen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes können nicht immer alle Lebensmittel wiederverwertet werden. Lebensmittelreste sind somit unvermeidbar. Doch mit ersten Maßnahmen konnte beispielsweise in einem Buffetrestaurant auf einem der Flottenschiffe innerhalb der vergangenen Monate die Abfallmenge bereits um rund 20 Prozent reduziert werden.

 

2016: Projekt TourCert Andina für ein Zertifizierungsprojekt für nachhaltige Entwicklung in den Anden

Mit dem Aufbau des Netzwerks TourCert Andina soll die touristische Wertschöpfungskette in den Anden-Ländern Peru, Ecuador, Kolumbien und Bolivien nachhaltig ausgerichtet werden. Das Projekt berücksichtigt den Schutz von Umwelt und Natur und legt einen Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen und beweist damit soziale Verantwortung für die Menschen vor Ort. Ziel des Projektes ist es, das in Europa bekannte und renommierte TourCert-System in lateinamerikanischen Länder zu übertragen.

 

2015: arbeitskreis tourismus & entwicklung (Schweiz) für das Internetportal fairunterwegs.org

Aktuelle Berichterstattung zur Nachhaltigkeit im Tourismus, fundierte Hintergrundinformationen, Analysen zu Tourismusentwicklungen, Länderinformationen sowie praktische Tipps und Infos für faires Reisen: das alles bietet – kompakt und informativ – die Internet-Plattform fairunterwegs.org. Initiiert und im Herbst 2006 freigeschaltet wurde die Website vom Schweizer arbeitskreis tourismus & entwicklung (akte). Urlauber finden dort Entscheidungshilfen für das Planen und Buchen von Reisen sowie für unterwegs.

 

2014: Thomas Cook für das Projekt „Wertvolles Wasser“

Mit wissenschaftlicher Unterstützung von der Nachhaltigkeitsinitiative Futouris sollte zunächst ein Beitrag zur langfristigen Reduzierung des Wasserverbrauchs in konzerneigenen und Franchise-Hotels erzielt werde. Ziel war darüber hinaus, die aus dem Projekt gewonnenen Erkenntnisse der Tourismusbranche zur Verfügung zu stellen und einen zukunftsweisenden Beitrag zum sparsamen Umgang mit Wasser zu leisten.

 

2013: Intrepid Travel für seinen ganzheitlichen und hohen Nachhaltigkeitsanspruch

„Real life experience“ – die Welt erleben, wie sie wirklich ist, lautet das Credo von Intrepid Travel. Das authentische Reiseerlebnis ist ein Markenzeichen des weltweit tätigen Gruppenreisenveranstalters mit Niederlassung in Deutschland. Zugleich engagiert sich das Unternehmen für Umweltschutz und soziale Verantwortung.

 

2012: Das Bioreservat Huilo Huilo in Chile für sein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept

Das für seine originellen Baumhäuser weltbekannte chilenische Bioreservat Huilo Huilo wird für sein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept ausgezeichnet. Huilo Huilo ist ein vorbildliches Beispiel dafür, wie Naturschutz und Tourismus voneinander profitieren können. So werden Arbeitsplätze und Schulungsmöglichkeiten für die Bevölkerung in der Region geschaffen, was der Landflucht entgegen wirkt.

 

2011: Montenegro für das umfangreiche Wander- und Radwegeprojekt „Wildernis Hiking & Biking“

Mit dem 2007 initiierten Projekt „Wilderness Hiking & Biking“ wurde das bislang auf Strandurlaub fokussierte Tourismusangebot Montenegros um attraktive Aktiv- und Abenteuerangebote im bergigen Hinterland erweitert. Das bislang touristisch unerschlossene Hinterland konnte erfolgreich an die bekannte Bade- und Küstenregion angebunden werden – mit einem rund 6.000 Kilometer umfassenden Wander- und Radwegenetz.

Über den Preis

Die Skulptur wurde 2016 in einem studentischen Wettbewerb an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle zum 30. Jubiläum der EcoTrophea neu gestaltet. Sie besteht aus weißem Porzellan mit einer zu einem Knoten geformten Baumwollkordel als Spitze. Sie kann sowohl einen Leuchtturm für sogenannte Leuchtturmprojekte symbolisieren als auch als Flaschenpost verstanden werden, die eine gute Nachricht um die Welt trägt.

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Susann Radtke
Referentin Nachhaltigkeit
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