Over­tou­rism

Was ist ei­gent­lich Over­tou­rism?

Wenn steigende Besucherzahlen Destinationen belasten, spricht man von Overtourism. Dabei handelt es sich hierbei in der Regel um ein punktuelles, also ein an einigen Orten zu bestimmten Zeiten auftretendes lokales Phänomen. Kulturhotspots wie Florenz sind betroffen, aber auch Häfen wie Venedig und Metropolen wie Shanghai. Jeder Fall ist anders gelagert. Allein diese Beispiele zeigen, dass es kein Patentrezept geben kann, sondern individuelle, passgenaue Lösungen entwickelt werden müssen. Overtourism ist nicht allein eine Herausforderung der deutschen Reisewirtschaft. Es ist eine weltweite Herausforderung.

Wie kommt es zu die­sem Phä­no­men?

Weltweit reisen immer mehr Menschen. Das gilt nicht nur für uns Europäer. Neue Mittelschichten in Asien und Südamerika haben zunehmend die Möglichkeit, fremde Kulturen und Kontinente kennenzulernen. Schätzungen zufolge wird alleine der asiatische Quellmarkt bis 2020 für rund ein Drittel des weltweiten Umsatzes auf dem Reisemarkts verantwortlich sein. Das zeigt, dass das Phänomen in Zusammenhang mit Megatrends wie der Globalisierung und dem demographischen Wandel eingeordnet werden muss. Zudem belastet die Sharing Economy klassische Wohngebiete. Wachstum im Tourismus war früher durch Bettenkapazitäten gedeckelt. Heute quartieren sich Individualtouristen zunehmend in Wohngebieten ein und bringen damit neue Probleme hervor.

Wel­che Lö­sungs­an­sät­ze gibt es?

In den Destinationen müssen die Vorteile des Tourismus die potentiellen Belastungen für die Bevölkerung deutlich überwiegen. Durch gezielte Besucherlenkung wie auch durch Marketing-, Informations- und Steuerungsmaßnahmen vor und während des Besuchs lassen sich Touristenströme zu Spitzenzeiten entzerren. Insbesondere die Destinationen sind in der Verantwortung, mit lokal angepassten Steuerungskonzepten beliebte Orte und Attraktionen zu entlasten und im gemeinsamen Dialog mit touristischen Akteuren und Vertretern der Zivilgesellschaft Entlastungsmaßnahmen zu entwickeln. Dies ist beispielsweise durch eine intelligente Ticket- und Preissteuerung oder die Besucherlenkung durch Apps möglich. Reiseveranstalter und Reisebüros nehmen eine wichtige Scharnierfunktion ein, da sie die Reisenden über die Destinationen informieren und über Reisen in der Haupt- und Nebensaison beraten.

Was kön­nen Rei­sen­de tun, die be­son­ders be­lieb­te Zie­le be­su­chen wol­len?

Urlauber können sich im Reisebüro kompetent beraten lassen. Die Reiseexperten dort wissen zum Beispiel über Stoßzeiten an besonders beliebten Attraktionen Bescheid und können ihre Kunden dementsprechend informieren. Immer mehr Destinationen bieten Apps zum Download an, die auf weniger belebte Orte hinweisen oder Empfehlungen für Ausflüge ins Umland geben. So kann auch die Digitalisierung helfen, Besucherströme zu entzerren.

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Nachhaltiges Handeln in der Reisebranche zu verankern, ist meine wichtigste Aufgabe. Klimaschutz und Menschenrechte sind dabei aktuell die größten Herausforderungen.
Dorothea Busche
Referentin Nachhaltigkeit
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