DIE REISEWIRTSCHAFT - Alle Ziele. Eine Stimme.
DIE REISEWIRTSCHAFT - Alle Ziele. Eine Stimme.

Eröffnungs-Pressekonferenz der ITB 2016 am 8. März: Rede von DRV-Präsident Norbert Fiebig

Es gilt das gesprochene Wort 
"Meine sehr geehrten Damen und Herren,
herzlich willkommen auch von meiner Seite zur ITB 2016. Keine Frage, mehr denn je steht die weltweit größte Reisemesse diesmal im Blickfeld des allgemeinen Interesses. Denn diese Leitmesse ist auch ein Gradmesser für die Entwicklung der Reisebuchungen für das laufende Jahr. Wohin reisen die Deutschen, welche Ziele suchen sie sich für ihren Sommerurlaub aus? Antworten aus diesen Fragen lassen sich zum Zeitpunkt der ITB anhand erster Trendmeldungen immer recht gut ableiten.
Wir stellen zurzeit im Wesentlichen eine Zweiteilung des Marktes fest.
Während viele Urlaubsdestinationen aktuell sehr deutliche Steigerungen der Buchungen zu verzeichnen haben, werden einige Destinationen von den Deutschen nur sehr zögerlich gebucht  Die Zurückhaltung vieler Kunden ist hier – aufgrund der schrecklichen Ereignisse der jüngsten Zeit - häufig mit der Frage nach der Sicherheit des Reiseziels verbunden. Gegenüber dem Vorjahr verzeichnen die drei Volumenmärkte Türkei, Ägypten und Tunesien noch deutlich weniger Buchungen bei den Reisebüros als zum gleichen Vorjahreszeitraum. Die Türkei etwa, die auf Platz 3 der beliebtesten Auslandsurlaubsziele der Deutschen rangiert, hatte vergangenes Jahr noch ein Plus von vier Prozent erzielt.
Ende Januar lagen die bisherigen Sommerbuchungen jedoch für die Türkei wie auch für Ägypten und Tunesien mit 40 Prozent und mehr noch deutlich unter Vorjahr. Diese momentane Buchungszurückhaltung für diese großen Volumenmärkte drückt derzeit auf die Entwicklung des gesamten Reisemarktes – das ist keine Frage.
Interessant ist aber: Auch wenn der Buchungsstand bislang noch nicht das Vorjahresniveau erreicht hat, so übertreffen laut Auswertungen des Marktforschungsunternehmens GfK die bislang getätigten Buchungen aber schon jetzt die zum gleichen Zeitpunkt für den Sommers 2014 getätigten Buchungen Wir liegen also jetzt auf gleicher Höhe des Umsatzes wie vor zwei Jahren.
Von grundsätzlicher Urlaubsmüdigkeit kann also keine Rede sein. Die meisten heute noch Zögerlichen wollen nicht auf Ihren Urlaub verzichten und informieren sich über Alternativen zu den individuell aktuell kritisch eingeschätzten Reisezielen. Hierbei werden sie zunehmend Beschränkungen in den freien Kapazitäten und insbesondere auch deutlich ungünstigere Preis-/Leistungsverhältnisse der Angebote feststellen.
Erfreulich ist aktuell: Die anfängliche Buchungszurückhaltung löst sich allmählich auf. Seit Anfang Februar sehen wir eine Stabilisierung beim Reiseverkauf. Es geht aufwärts, die Buchungen nehmen merklich zu. Der Buchungsmotor für die Hauptsaison nimmt also an Fahrt auf.
Es wird bestimmt ein herausforderndes Jahr für die deutsche Reisebranche, aber wir sind trotzdem verhalten optimistisch. Denn die Voraussetzungen sind gut: Die Konsumlaune der Verbraucher ist laut GfK-Konsumklimaindex ungebrochen hoch.
Demnach sind die Einkommenserwartungen deutlich gestiegen und die stabile Beschäftigungslage mit geringer Arbeitslosenquote lässt die Konsumausgaben sprudeln. Durch die geringe Inflationsrate und gesunkene Energiekosten sind zudem die frei verfügbaren Einkommen gestiegen. Das sind gute Voraussetzungen für das Reisejahr 2016. Denn: laut GfK wollen die Bundesbürger nicht generell auf’s Reisen verzichten.
Jetzt gilt es also, die noch unentschlossenen Urlauber, vor allem Familien, die ihre Urlaubsentscheidung bislang hinausgezögert haben, für die zahlreichen attraktiven Reiseangebote in diesem Sommer zu begeistern.
Augenblicklich stellen wir zwar noch einen erhöhten Zuspruch für Reiseziele ins westliche Europa fest. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir auch bei weiteren traditionellen Familien-Ferienzielen wie der Türkei und Ägypten wieder mehr Buchungen sehen werden.
Wie zum Beispiel aktuell bei Griechenland: Anfänglich noch zögerlich gebucht, sehen wir anziehende Buchungen. Deutsche Urlauber fliegen vor allem auf die Inseln Rhodos, Kreta und Korfu.
Für die Ziele rund um den Globus gibt es derzeit noch viele preislich lukrative Frühbucherangebote. Und: Das Reiseangebot ist vielfältig.
Gerade die ITB bietet beste Gelegenheit, die gesamte Bandbreite des touristischen Angebots zu präsentieren und zu zeigen, dass sich der Reisemarkt nicht nur auf einige wenige Länder beschränkt.
Und es ist ein gute Gelegenheit zu zeigen, was die über Reiseveranstalter organisierte Urlaubsform für Vorteile bietet: Nämlich Service und vor allem Kundenorientierung. Mit Sicherheit ist jemand da, der sich um den Gast kümmert. Mit den Teams in den Zielgebieten, den persönlichen Ansprechpartnern in den Reisebüros und einem professionellen Sicherheits- und Krisenmanagement bieten wir den Gästen auch in schwierigen Situationen Orientierung und Service.
Das fängt schon bei der Planung der Urlaubsreise an. Mit dem Reisebüromitarbeiter hat der Kunde einen fachkundigen Ratgeber, eine Lotsen, der ihm einen Überblick über die Angebote geben und ihm damit eine erste Orientierung bieten kann. Denn klar ist: Die vom Reiseveranstalter angebotenen Reisen, die im Reisebüro verkauft werden, führen nicht in vom Auswärtigen Amt als unsicher eingestufte Regionen.
Viele Bundesbürger haben übrigens bereits ihre Urlaubsentscheidung getroffen und in den Reisebüros eine Veranstalterreise gebucht.
Bei den Trends für 2016 setzen sich verschiedene Entwicklungen aus dem Vorjahr fort.
Zu den beliebtesten Auslandszielen werden auch in diesem Jahr Mittelmeerländer zählen – darunter Spanien, Italien und Griechenland. Auch Kreuzfahrten auf den Weltmeeren sowie zahlreiche Ziele auf der Fernstrecke sind besonders gefragt und erzielen derzeit Zuwächse im meist zweistelligen prozentualen Bereich.
Auf Basis der Auswertungen der GfK nachfolgend die Momentaufnahme der Buchungsentwicklung bei den stationären Reisebüros, Stand: Januar 2016:
• 2016 wird das Jahr der Karibik: Nochmals deutlich mehr Gäste zieht es zu den Traumzielen Kuba, Dominikanische Republik und Mexiko. Das Umsatzplus für Kuba etwa beläuft sich bislang für das gesamte Jahr 2016 auf 46 Prozent.
• Bei den Flugnahzielen verzeichnen bislang besonders Portugal mit 20 Prozent Umsatzplus und Spanien spürbare Zuwächse – hier vor allem die Kanaren mit 21 Prozent, aber auch die Balearen sowie das Festland mit jeweils 4 Prozent Umsatzplus. Italien legt mit plus 6 Prozent und Bulgarien mit plus 9 Prozentebenfalls zu.
• Die afrikanischen Reiseländer Südafrika und Namibia erholen sich von den Einbrüchen – u.a. aufgrund des Ebola Virus – der vergangenen zwei Jahre und weisen ein prozentual zweistelliges Wachstum auf.
• Das beliebteste Reiseziel der Bundesbürger, Deutschland, erfreut sich starker Beliebtheit und wächst bei den im Reisebüro gebuchten Veranstalterreisen aktuell um 15 Prozent.
• Einer der wesentlichen Wachstumstreiber ist und bleibt das Kreuzfahrten-Segment, das bislang für 2016 rund neun Prozent Umsatzwachstum im stationären Reisebüro aufweist. Bereits im Jahr 2014 hat der deutsche Kreuzfahrtenmarkt Großbritannien überholt und ist weltweit zum zweitstärksten Markt für Hochseekreuzfahrten nach den USA avanciert.
• Vom Volumen sehr kleine Märkte weisen deutlich hohe prozentuale Zuwächse auf, wie etwa Island, Norwegen und Dänemark.
Meine Damen und Herren: Ein wesentlicher Trend aus den Vorjahren verfestigt sich für den Sommer 2016 noch einmal deutlich: Die Deutschen sparen nicht am Urlaub – im Gegenteil, sie lassen sich die schönsten Wochen des Jahres noch mehr kosten als bislang. Die Reisen mit einem Preis über 3000 Euro pro Person gewinnen laut Auswertungen des Marktforschungsunternehmens GfK stark an Bedeutung. Besonders stark legen die Buchungen für Reisen ab 5.000 Euro zu – und zwar mit über 13 Prozent.
Mit Blick auf das abgelaufene Jahr 2015, das mit einem Umsatzplus von über vier Prozent für die deutschen Veranstalter sehr erfolgreich verlief, lässt sich feststellen, dass sich die Reiseintensität stabil zeigt. 77,1 Prozent aller Deutschen haben 2015 mindestens eine Urlaubsreise von fünf Tagen und mehr unternommen. Wichtigstes Urlaubsmotiv bleibt auch 2015 die Erholung am Strand: Demnach ist die bedeutsamste Urlaubsform der Badeurlaub am Meer, gefolgt von Rund- und Studienreisen.
Und noch eine weitere Entwicklung beim Blick auf 2015: Die stationären Reisebüros in Deutschland sind weiter auf Wachstumskurs. Das zweite Jahr in Folge gab es eine Zunahme bei der Anzahl der Reisebüros – auf nunmehr 9.880. Die Phase der Marktbereinigung, die 2005 einsetzte, ist damit seit 2014 augenscheinlich gestoppt. Ein Zeichen, dass Verbraucher Wert auf eine qualifizierte und individuelle Beratung legen.
Das seit Jahren steigende Umsatzniveau führte 2015 auch zu einem Anstieg der Mitarbeiterzahl von über zwei Prozent bei Reisebüros und Reiseveranstaltern auf fast 70.000 Personen.

Meine Damen und Herren,
die Trends des Jahres 2016 sowie der Rückblick auf 2015 zeigen, dass das Reisen bei den Deutschen nach wie vor einen hohen Stellewert genießt.
Doch wie organisieren die Bundesbürger eigentlich ihren Urlaub? Auf eigene Faust oder als Komplett-Rund-um Sorglos-Paket bei den Reiseveranstaltern?
Die Auswertungen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reise (FUR) zeigen deutlich, dass in den vergangenen 20 Jahren der Anteil der Veranstalterreise – also der organisierten Reise über Reisebüros und Reiseveranstalter – gestiegen ist.
Waren es im Vor-Internet-Zeitalter (1995) 41 Prozent aller Urlaubsreisen, die über Veranstalter und Reisebüros gebucht wurden, sind 2015 insgesamt 47 Prozent aller Reisen als professionelle Veranstalterreise sowohl bei stationären Reisebüros als auch online gekauft worden.
Interessant dabei ist: Der komplett individuell und auf eigene Faust organisierte Urlaub verliert massiv an Bedeutung. Wurden 1995 noch 59 Prozent aller Urlaubsreisen ohne professionelle Unterstützung unternommen –so ist der Anteil auf inzwischen nur noch 35 Prozent abgesackt. Und dies im Wesentlichen zu Gunsten von Onlinebuchungen, die mittlerweile 29 Prozent aller Urlausreisen ausmachen.
Hieran ist klar erkennbar: Das Wachstum der Internet-Buchungszahlen wird überwiegend aus dem Segment der bislang Individual-Organisierer generiert – und weniger aus dem Segment der professionell organisierten Reisen.
Mit diesem für die Touristikanbieter sehr erfreulichen Trend möchte ich den kurzen Rück- und Ausblick beenden und mich für Ihre Aufmerksamkeit recht herzlich bedanken.