DIE REISEWIRTSCHAFT - Alle Ziele. Eine Stimme.
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DRV-Mitglieder arbeiten an Anpassungen an den Systemen

Die neue EU-Pauschlreiserichtlinie wird mit ihrer Umsetzung in deutsches Recht die Abläufe und Prozesse einer Reisebuchung verändern. Um sich auf den Gültigkeitsstichtag 1. Juli 2018 vorzubereiten, müssen die Prozesse und Systeme an die Anforderungen und Vorgaben der Richtline angepasst werden. Unter dem Dach des Deutschen ReiseVerbandes (DRV) ist dafür ein Branchenprojekt initiiert worden, um für Buchungen von Pauschalreisen und den sogenannten Verbundenen Reiseleistungen alle Prozesschritte – einschließlich steuerlicher Auswirkungen – zu analysieren und mit den Gesetzesvorgaben abzugleichen. Daraus werden Empfehlungen abgeleitet, was in den Systemen verändert oder neu programmiert werden muss. Dabei geht es nicht nur um die Reservierungssysteme, sondern auch um die Veranstaltersysteme, die Mid- und Backofficesysteme im Reisebüro sowie die Vertriebssysteme. Für die Projektarbeit wurden fünf Arbeitsgruppen gebildet. Eine dieser Arbeitsgruppen besteht aus Juristen des DRV-Rechtsausschusses, welche die übrigen Arbeitsgruppen-Teilnehmer unterstützen. Für die Koordination entsendet jede Arbeitsgruppe einen Vertreter in einen Expertenkreis, der mindestens monatlich tagt. Die Arbeit ist bereits aufgenommen worden – in der Branche gilt hierfür höchste Priorität.

Die Komplexität der künftigen Vorschriften wird nicht nur die Prozesse im Reisevertrieb verändern, sondern auch den Workflow zwischen Leistungsträgern, Veranstaltern und Reisebüros. Dies betrifft sowohl den stationären Vertrieb als auch Telefonverkauf und Onlinevertrieb. Je nach Abwicklung wird es künftig darauf ankommen, dass bei Buchungen eindeutig definiert ist, ob es sich um eine Vermittlung, um eine Pauschalreise oder um die neue Kategorie der Verbundenen Reiseleistungen handelt.

Damit die Reisebüros sich weiterhin auf die Beratung konzentrieren können, sollen die notwendigen Prozesse, die sich aus der Pauschalreiserichtline ergeben, weitgehend automatisiert im System abgebildet werden. Auch die Erstellung und Dokumentation der neuen Formblätter, aufbauend auf einer vorhergehenden neutralen Beratungsphase, zählt hierzu. Vor diesem Hintergrund hat der DRV einen sehr breiten Arbeitskreis ins Leben gerufen, in dem stationäre Reisebüros, Onlineanbieter, Reiseveranstalter, Leistungsträger und IT-Unternehmen gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zur technischen Unterstützung der neuen Anforderungen erarbeiten. Das Projekt wird durch zahlreiche Unternehmen aus allen Säulen des DRV begleitet – die Palette reicht vom Großveranstalter über mittelständische Reiseveranstalter, Reisebüroketten, mittelständische Reisebüros und Online-Reisebüros bis hin zu Fluggesellschaften, Hotelgesellschaften und weiteren Leistungsträgern. Von Seiten der Technikanbieter sind alle relevanten touristischen Reservierungssysteme ebenso im Projekt engagiert wie die Anbieter von Reiseveranstalter-Inventory Systemen und Reisebüro-Midoffice Lösungen.

Grundlage der Projektarbeit sind detailllierte Anwendungsfälle, die derzeit von allen Teilnehmern erarbeitet werden. Bezugnehmend darauf werden die zu erwartenden Änderungen durch die neue Gesetzgebung und deren Auswirkungen auf alle Beteiligten betrachtet. Dazu zählen auch Auswirkungen auf die Besteuerung, beispielsweise auf die umsatzsteuer- und gewerbesteuerrechtliche Behandlung von Reiseleistungen, wenn das Reisebüro zum Veranstalter werden sollte. Um für Kunden und Reisebüro-Mitarbeiter Rechtsklarheit zu schaffen, sollen die durch das neue Reiserecht bewirkten Änderungen jedoch soweit möglich durch technische Lösungen erkannt und die Prozesse entsprechend gesteuert werden. Ziel des Projekts ist es daher, dass gemeinsam mit den IT-Anbietern in der Touristik Lösungen für diese Herausforderung erarbeitet werden. Um allen Beteiligten ausreichend Zeit für die Umsetzung zu geben, soll das Projekt zeitgleich mit dem Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen werden. Die Umsetzung der im Projekt erarbeiteten Lösungsvorschläge obliegt dann den jeweiligen Branchenunternehmen in Eigenregie.