DIE REISEWIRTSCHAFT - Alle Ziele. Eine Stimme.
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Befragung zur Revision der Pauschalreiserichtlinie beendet

Die EU-Kommission hat ihre Befragung zur Überprüfung der bestehenden Pauschalreise-Richtlinie beendet. Mit der EU-Pauschalreise-Richtlinie, die vor mehr als 15 Jahren verabschiedet worden ist, wurde sichergestellt, dass Urlauber im Falle der Insolvenz eines Reiseveranstalters zurückbefördert werden und der Reisepreis geschützt ist. Nun will die EU-Kommission die Richtlinie überarbeiten und in drei Hauptpunkten anpassen. Dabei soll der Geltungsbereich auf „Dynamic Packaging-Angebote“ ausgeweitet und die Verantwortlichkeit im Schadensfall geklärt werden. Zudem wird geprüft, ob der Insolvenzschutz auch auf den Flugeinzelplatz-Verkauf von Fluggesellschaften ausgeweitet werden soll.

Um die Interessen der deutschen Reisebranche wahrzunehmen, hat der Deutsche ReiseVerband (DRV) die Meinungsführerschaft für die Branche übernommen und seine Stellungnahme in dem Konsultationsverfahren abgegeben. Der Europabeauftragte des DRV, Dr. Jochen Martin mahnt für die mögliche Revision die EU zur Umsicht: „Da die Rechte der Verbraucher hierzulande für alle Beteiligten zufriedenstellend geregelt sind und damit weder Verbraucher noch die Reiseanbieter künftig benachteiligt werden, fordert der DRV die Kommission auf, eine Ausweitung des Anwendungsbereichs auf moderne Vertriebsformen mit Augenmaß vorzunehmen.“ Insbesondere hält der DRV an folgenden Kernforderungen fest:

  • das bisherige Geschäftsmodell für die Gestaltung und den Verkauf von Pauschalreisen beizubehalten. Das Reisebüro darf nicht für die Erbringung der Leistung und für die vereinbarte Qualität einer Pauschalreise haften. Die Begründung: Das Reisebüro verkauft die Pauschalreise im Namen und im Auftrag des Reiseveranstalters. Es ist der Mittler und nicht der Vertragspartner des Kunden. Der Reisevertrag kommt zwischen dem Veranstalter und dem Kunden zustande, so dass auch der Reiseveranstalter für die vereinbarte Qualität haftet. Für das Reisebüro könnte es wirtschaftlich katastrophale Folgen haben, wenn es in die komplette Haftung genommen würde. Es hat zudem keinerlei Kontrolle über die Erbringung der Leistung.
  • dass die Katalogpreis-Flexibilisierung – die für Veranstalter unter bestimmten Bedingungen möglich ist – beibehalten wird, um gleiche Wettbewerbschancen sowohl des Katalogvertriebs als auch des Onlinevertriebs zu ermöglichen.
  • dass die Pauschalreiserichtlinie weiterhin von den jeweiligen Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden kann. Der Grund für die Beibehaltung des bisherigen Verfahrens: Die Märkte funktionieren unterschiedlich, daher muss auf die nationalen Marktgegebenheiten und Bedürfnisse der Kunden abgestellt werden. Die Bestrebungen für ein einheitliches europaweites Sicherungsmodell werden von der Branche abgelehnt, da es zum Nachteil aller Marktteilnehmer – auch der Verbraucher – wäre.

Die EU-Kommission wird nun bis zum Sommer entscheiden, ob sie eine neue Pauschalreise-Richtlinie anstößt. Derzeit wird erwartet, dass sie dieses Gesetzgebungsverfahren einleiten wird – unklar ist jedoch mit welchem Inhalt. Der DRV ist direkt und über den Dachverband der europäischen Reisebüros und Reiseveranstalter, Ectaa, in die Anhörungen und das Verfahren der EU einbezogen.