Im Fo­kus: Co­ro­na

Informationsstand und letzte Aktualisierung 27. März, 10.30 Uhr.

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Frankreich, Belgien und Italien haben Gutschein-Lösungen umgesetzt

Norbert Fiebig: Deutschland sollte sich ein Beispiel nehmen

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Dramatische Situation für Reisewirtschaft: Appell an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen

Rückzahlungspflicht bei Pauschalreisen und Flügen aussetzen – Weg für Gutschein-Lösung frei machen

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Branchenverbände der Tourismuswirtschaft wenden sich an Bundeskanzlerin

Nachbesserung an Coronahilfe-Notpaket gefordert

Er­geb­nis der ak­tu­el­len Um­fra­ge

Die Ergebnisse unserer aktuellen Umfrage unter unseren Mitgliedsunternehmen ist besorgniserregend. Unter dem Titel „Weg aus der Krise“ haben wir unsere Mitglieder befragt, was von den bereits umgesetzten Maßnahmen der Bundesregierung bei ihnen greift. Das Ergebnis: 90 Prozent der Unternehmen – Reisebüros wie Reiseveranstalter – haben bisher noch kein Geld gesehen. Und das in dem Wissen, dass sie ohne schnelle und unbürokratische Liquiditätshilfen bald am Ende sind. Insgesamt haben an der Umfrage vom 24. bis 26. März fast 700 Unternehmen teilgenommen.

Mas­si­ve Um­satz­aus­fäl­le bei Rei­se­ver­an­stal­tern

Der Umsatzausfall bei den deutschen Reiseveranstaltern und Reisebüros summiert sich nach Hochrechnungen des DRV alleine von Mitte März 2020 bis Ende April 2020 auf mehr als 4,8 Milliarden Euro – und der Finanzbedarf wird weiter steigen, wenn die Krise weiter andauert. Reisen werden storniert, Veranstalter müssen das Geld an die Kunden zurückzahlen, Kunden zögern mit Neubuchungen. Damit fehlt Liquidität in den Unternehmen. Ein Schutzschirm für die Reisewirtschaft ist jetzt dringend notwendig. Die Politik ist gefordert, diese Umsatzausfälle mit einer Beihilfe auszugleichen.

Die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Rei­se­bran­che

Die Reisewirtschaft wird erheblich von den Auswirkungen des Corona-Virus getroffen. In einer aktuellen Blitzumfrage haben mehr als 800 Unternehmen dargestellt, dass sie erhebliche Umsatzeinbußen haben, die bis zu 75 Prozent reichen. Dies bedroht Beschäftigung und schadet der Liquidität der Unternehmen. Noch deutlichere Auswirkungen werden sich ergeben, wenn die durch das Virus verursachten Markstörungen über die Osterreisezeit andauern. Die Lage wird aktuell dadurch verschärft, dass das Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen erlassen hat und damit Reisen ins Ausland und auch touristische Reisen im Inland faktisch nicht mehr möglich sind.

Die Ergebnisse der Blitzumfrage finden Sie hier.

Die Aus­wir­kun­gen im Ein­zel­nen

  • Touristische Reisebüros verzeichnen zurzeit eine rückläufige Kundenfrequenz. Die Kunden suchen Rat, um sich über mögliche gesundheitliche Gefährdungen zu informieren. Etliche Kunden stornieren ihre Reisen. Es gibt kaum Neubuchungen. Dies führt zu einer deutlichen Störung der Geschäftstätigkeit.
  • Geschäftsreisebüros haben aufgrund der geänderten Dienstreisevorschriften der Unternehmen ebenfalls einen erhöhten Beratungs- und Stornierungsbedarf. Ein Großteil der Dienstreisen, die über die Büros abgewickelt werden, findet derzeit nicht mehr statt.
  • Kreuzfahrtunternehmen müssen ebenfalls deutliche Umsatzeinbrüche verzeichnen. Reisehinweise und zunehmende Beschränkungen in den Hafenanläufen setzen die Unternehmen unter weiteren organisatorischen Druck.
  • Reiseveranstalter verzeichnen ein erhebliches Minus bei Neubuchungen. Sie reagieren darauf mit erhöhter Flexibilität: Neubuchungen werden mit attraktiven Umbuchungs- und Stornierungskonditionen angeboten. Veranstalter sind deutlich von Reisebeschränkungen in wichtigen Destinationen betroffen. Dies setzt das Ostergeschäft, für das Flug- und Hotelkapazitäten eingekauft wurden, unter Druck.
  • Die Mehrzahl der touristischen Dienstleister und Leistungsträger verzeichnet als Teil der touristischen Wertschöpfungskette ebenfalls erhebliche Umsatzrückgänge.
  • Da die gesamte Reisekette gestört ist, ergeben sich analoge Auswirkungen auf Flughäfen, Airlines und Hotels.

9-Punk­te-Maß­nah­men­ka­ta­log für die Re­gie­rung

• Liquiditätsbeihilfen:
Touristische Reisebüros, Geschäftsreisebüros, Kreuzfahrtunter-nehmen, Reiseveranstalter sowie touristische Dienstleister brauchen einfachen und schnellen Zugang zu KfW-Krediten mit kurz- und mittelfristigen Laufzeiten, um ggf. Liquiditätsengpässe überbrücken zu können. Die bestehenden Programme sind für die Reisewirtschaft nicht passgenau. Der DRV fordert, dass die Eigenbesicherung alternativ zur Hausbank auch durch das Unternehmen oder den Gesellschafter gestellt werden kann. 

• Kurzarbeitergeld:
Beantragung Kurzarbeitergeld mit möglichst vereinfachten Bedingungen. Die Bundesregierung sollte Sonderregelungen zur Kurzarbeit in Kraft setzen, die sowohl die Antragsvoraussetzungen erleichtern als auch die dem Arbeitgeber auf Antrag zu erstattenden Beiträge zur Sozialversicherung erhöhen (100%) sowie die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes verlängern.

• Arbeitszeitflexibilisierungsmaßnahmen:
Aktuell kann ein Arbeitnehmer bis zu 28 Tage lang unbezahlten Urlaub nehmen, ohne dass er sich selbst sozialversichern muss. Eine Ausweitung auf 3 Monate würde mehr Flexibilität bedeuten und dieses Instrument attraktiver machen.

• Steuern:
Weiterhin sind zinslose Steuerstundungen vorzusehen. Ferner sollten Steuervorauszahlungen auf Antrag unbürokratisch an die Geschäftsentwicklung angepasst und damit herabgesetzt werden können. Hierbei ist insbesondere den mittelständischen Strukturen Rechnung zu tragen.

• Stornokostenerstattung für Reisebüros und Reiseveranstalter:
Durch das Corona-Virus ergeben sich viele Reisestornierungen. Für diese Stornierungen sollte ein Sonderprogramm des Bundes zur Erstattung der Provisionen im Reisebüro und der Stornierungskosten der Reiseveranstalter aufgelegt werden.

• Rasche Rückzahlung der geleisteten Vorauszahlungen zur Gewerbesteuerhinzurechnung:
Um die Liquidität der Reiseveranstalter zu verbessern, sollte das Bundesfinanzministerium die Steuerverwaltung anweisen, die Rückzahlungen der bereits geleisteten Gewerbesteuerhinzurechnung unmittelbar vorzunehmen.

• Neuregelung der Insolvenzabsicherung:
Die Bundesregierung sollte bei der Neuregelung ein Moratorium vorsehen, da die Absicherung der Reiseveranstalter unter den gegenwärtigen Marktstörungen eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Ferner sollte die Bundesregierung zeitlich befristet Garantien oder Bürgschaften für Reiseveranstalter übernehmen.

• Marktanreizprogramm:
Wenn die Krise ihren ersten Höhepunkt überschritten hat, sollte der Bund über ein Marktanreizprogramm für stationäre Reisebüros, Veranstalter, touristische Airlines und sonstige touristische Leistungsträger die Erholungsphase beschleunigen. Die Reisewirtschaft wird dazu in den nächsten Wochen konkrete Vorschläge entwickeln.

• Die Forderung der Airlineverbände zu einer befristeten Aussetzung der 80/20-Regelung bei Slots (dies bedeutet: Nur wenn eine Airline ihre Start- und Landerechte zu mindestens 80 Prozent nutzt, kann sie diese Slots auch im Folgejahr behalten) wird unterstützt; allerdings darf diese Regelung nicht dazu führen, dass in der Folge gegen Reiseveranstalter Mängel aufgrund  von Flugzeitenänderungen geltend gemacht werden. Die Forderung eines Moratoriums bei ausgewählten Luftverkehrsgebühren wird unterstützt.

Schutz­schild für die Wirt­schaft: Das Maß­nah­men­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung im De­tail

Die Bundesregierung hat am Freitag, 13. März ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Abfederung der Auswirkungen des Coronavirus vorgestellt. Das Maßnahmenbündel finden Sie hier im Detail.

Hinweis:

Es wird keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Zusammenstellung übernommen.

Nach etlichen Jahren Tätigkeit im Deutschen Bundestag kenne ich mich im politischen System gut aus. Diese Erfahrung bringe ich nun an der Schnittstelle von Politik und Reisewirtschaft ein.
Volker Adams
Leiter Politik und Auslandstourismus
T +49 30 28406-45
Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Bildung und Menschenrechte sind die großen Zukunftsthemen der Reisewirtschaft, derer wir uns annehmen müssen.
Dr. Ellen Madeker
Leiterin Strategie und politische Kommunikation
T +49 30 28406-57