DIE REISEWIRTSCHAFT - Alle Ziele. Eine Stimme.
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DRV-Branchenprojekt zur Entwicklung der Buchungslogik STRING: Erste Veranstalter und IT-Unternehmen beginnen Prototyping

Das Ziel in der Branche ist ambitioniert und das Projekt umfangreich: Der Buchungsvorgang für touristische Produkte soll grundlegend neu gestaltet werden. Unter dem Dach des Deutschen Reiseverbandes (DRV) befasst sich seit Ende 2016 eine Projektgruppe mit den Entwicklungspartnern Amadeus, Bewotec und Traffics mit der Erweiterung des DRV-Datenstandards um eine Buchungslogik. Unter dem Projektnamen STRING (STandard Reservation Interface Next Generation) gilt es, neue Schnittstellen-Beschreibungen auf Basis des modernen XML-Standards, sogenannte XSD-Schemata, zu entwickeln. Das Ziel: Die automatisierte Buchung direkt aus der Such-Ergebnisliste im Reservierungssystem zu ermöglichen. Gemeinsam mit mehreren Reiseveranstaltern, die bereits bei der Entwicklung der DRV-Abfragelogik involviert waren, hat das Projektteam mit dem ersten Release 1.0 der Branche jetzt eine Schnittstellenversion zur Verfügung gestellt, auf deren Basis ein Prototyping möglich wird. Auch die notwendigen Beschreibungen für die Übermittlung der Daten beim Bezahlvorgang für eine Reise sind bereits enthalten. Die Schnittstellenbeschreibung sowie die zugehörige Dokumentation sind unter www.string.drv.de abrufbar, eine Registrierung ist hierfür nicht erforderlich. Dort finden interessierte Veranstalter und Vertriebssysteme auch Informationen über eine aktive Mitarbeit im Projekt.

Seit 2010 bereits bietet der Verband als Branchenlösung den DRV-Datenstandard an. Mit diesem können touristischen Angeboten anhand von GlobalTypes® bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden und über eine standardisierte Schnittstelle (Abfragelogik) in den Vertriebssystemen bereitgestellt werden. Seither können Reisebüros Pauschalreisen anhand dieser einheitlichen Beschreibungen nach bestimmten Kriterien wie zum Beispiel der Lage des Hotels, der Entfernung zum Strand, der Ausstattung und vielem mehr suchen.

Bislang ist jedoch lediglich die passgenaue Suche im System möglich. Die Datenübergabe in das Reservierungssystem für die Buchung der ausgewählten Reise erfordert bisher manuelle Ergänzungen. Jetzt ist auf dem Weg zum Ziel der automatisierten Buchung ein wichtiger Meilenstein erreicht: Über eine Schnittstellenbeschreibung wird es möglich, die gewünschte Pauschalreise direkt aus der Ergebnisliste in eine Buchung zu übernehmen und an die teilnehmenden Systeme der Veranstalter zu senden.

Basis für diese Weiterentwicklung war eine umfassende Anforderungsanalyse bei führenden deutschen Reiseveranstaltern, die zeigte, dass aktuell verwendete Schnittstellen die Anforderungen des Marktes oft nicht mehr abdecken. „Aus dem Markt kam die Erwartung, dass die umfangreichen Angebotsinformationen, die unsere Nutzer zu Angeboten über die Abfragelogik transportieren konnten, nun auch in einer Buchungsfunktion umgesetzt werden“, erläutert Olaf Collet, Geschäftsführer der DRV Service GmbH, unter deren Dach der DRV-Datenstandard geführt wird.

Besonders erfreut ist der DRV, dass alle drei großen deutschen Reisevertriebssysteme bzw Systemanbieter – Amadeus, Bewotec, Traffics – das Projekt als Entwicklungspartner unterstützen. „Im Brancheninteresse freuen wir uns, unsere jahrzehntelange Erfahrung aus dem touristischen Reisebüro- und Veranstaltergeschäft in den kommenden DRV-Standard einfließen zu lassen“, so Christian Warneck, Head of Travel Channels R&D Bad Homburg bei Amadeus. Und Michael Becher, Geschäftsführer Bewotec, ergänzt: „Als Anbieter eines eigenen Reisevertriebssystems, aber auch einer eigenen Veranstaltersoftware kennen wir die Anforderungen unserer Kunden bestens und können dieses Know-how in das Projekt einbringen.“ Traffics ist von Beginn an als treibender Entwicklungspartner mit an Bord. „Für uns ist es sehr wichtig, neue Entwicklungen nicht nur zu begleiten, sondern auch Anforderungen unserer Kunden aus der Praxis umzusetzen. Mit STRING werden künftig auch neuartige digitalisierte Buchungswege unterstützt“, so Traffics-CEO Salim Sahi.

Mit dem jetzt freigeschalteten Release 1.0 ist das Projekt jedoch nicht abgeschlossen: Sowohl bei den drei Entwicklungspartnern als auch bei der DER Touristik Deutschland – die sich als einer der Ersten zum Testen bereit erklärt haben – laufen die Vorbereitungen für die ersten Prototyping-Anwendungen. „Wir waren schon bei der Entwicklung und Umsetzung der DRV-Abfragelogik einer der ersten Anwender, daher wollen wir auch die neuen Möglichkeiten, die sich durch STRING bieten, frühzeitig testen und in unsere IT-Systeme einbinden“, erläutert erläutert Rainer Perling, Bereichsleiter Prozessmanagement/Dynamische Produktion der DER Touristik Deutschland.

Parallel dazu befassen sich die Entwickler bereits mit dem Ausbau von STRING, insbesondere um neue Funktionen rund um die Buchung sowie der Erweiterung um zusätzliche Produktarten wie Kreuzfahrten, Mietwagen oder Rundreisen. Aktuell wird eine Umfrage bei Veranstaltern durchgeführt, um deren Anforderungen in Bezug auf Alternativangebote sowie Up- und Cross Selling bei Unterkünften zu ermitteln. „Wir würden uns sehr freuen, wenn weitere Reiseveranstalter über die im Projekt ohnehin engagierten Unternehmen hinaus an dieser Erhebung teilnehmen würden“, so STRING-Projektleiter Michael Althoff von der MC Management Consulting GmbH.

Hintergrund:
Mit der Einführung des DRV-Datenstandards hat die Branche einen wichtigen Schritt in Richtung Angebotsdifferenzierung unternommen. Damit bei der Angebotssuche im Vertrieb – sei es im stationären Vertrieb über Reisebüros oder im Online-Vertrieb – nicht nur der Preis im Vordergrund steht, wurde mit dem DRV-Datenstandard eine Plattform geschaffen, die den Anforderungen der Reiseveranstalter nach mehr Produkttransparenz und Produktvielfalt in idealer Weise entspricht.

Insgesamt stehen für die Attribuierung der Produkte und Leistungen aktuell 21 Gruppen von DRV-GlobalTypes® zur Verfügung. Ziel der Einführung des DRV-Datenstandards war es, neben der Produkt-Kennzeichnung und -Differenzierung über DRV-GlobalTypes® eine neue, moderne Abfrageschnittstelle als Branchenstandard zu etablieren und bei Veranstaltern und Vertriebssystemen zu implementieren. Die Veranstalter werden damit in die Lage versetzt, ihr komplettes Produktportfolio optimal in den Vertriebssystemen zu positionieren. Die Reisemittler können die Beratungsqualität deutlich steigern, so dass für den Kunden eine echte Produkttransparenz entsteht.

Nachdem sich DRV-GlobalTypes® und die neue Abfrageschnittstelle zunehmend im Markt etablieren, erfolgte nun im zweiten Schritt die Erweiterung um eine Buchungslogik. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Anforderungen der Reiseveranstalter, aber auch des Reisevertriebs, inzwischen deutlich über die Möglichkeiten der heutigen Buchungslösungen hinausgehen. Immerhin stammt der in der Branche weit verbreitete Standard STADIS noch aus den 1980er Jahren. Heutige Anforderungen wie Ancillary Services bei Airlines, aber auch Zusatzverkäufe der Veranstalter und weitere Funktionen zur Ertragsoptimierung wie beispielsweise ein Upselling werden über STADIS nicht unterstützt. Auch neue internationale Standards wie NDC (IATA-Airlines) oder der internationale touristische Standard OTA (Open Travel Alliance) stellen neue Herausforderungen an die Branche und ihre Systeme. Daher wurde die Erweiterung des DRV-Datenstandards forciert, um eine an den Anforderungen der deutschen Touristik ausgerichtete neue Schnittstelle zur Kommunikation zwischen den Reisevertriebssystemen (GDS) und den Inventory-Systemen der Reiseveranstalter mit vielen neuen Funktionen zu etablieren.