DIE REISEWIRTSCHAFT - Alle Ziele. Eine Stimme.
DIE REISEWIRTSCHAFT - Alle Ziele. Eine Stimme.
Fluggesellschaften haben zu großen Spielraum bei der Gestaltung ihrer<br />Preise. Diese Intransparenz erschwert eine effiziente Steuerung der Reiseströme durch die Unternehmen und führt zu erhöhten direkten und indirekten Reisekosten. Das ist...

Fluggesellschaften haben zu großen Spielraum bei der Gestaltung ihrer
Preise. Diese Intransparenz erschwert eine effiziente Steuerung der Reiseströme durch die Unternehmen und führt zu erhöhten direkten und indirekten Reisekosten. Das ist Ergebnis der Studie „Total Cost of Ticket“ des Instituts of Business Travel Studies (IBTS) der Fachhochschule Worms, die am Mittwoch, 21. April 2010, bei der Frühjahrstagung für Geschäftsreisemanagement in Berlin vorgestellt wurde. Auftraggeber sind die Branchenverbände Deutscher ReiseVerband (DRV) und Verband Deutsches Reisemanagement (VDR).

Das Forschungsteam hat einzelne Bestandteile der Flugpreise und -konditionen sowie deren Auswirkungen auf Entscheidungen im Geschäftsreisemarkt
wissenschaftlich untersucht. „Der eigentliche Netto-Flugpreis besteht
aus vielen einzelnen Preiselementen – von Gebühren und Steuern bis
hin zu Komponenten außerhalb des Flugscheins wie Bearbeitungsentgelte.
Welche Kosten letztendlich entstehen, ist für den Reisenden oder das Unternehmen bei der Buchung in der Regel nicht absehbar“, fasst Studienleiter
Prof. Dr. Andreas Wilbers zusammen.

In der sogenannten „Tax Box“ werden Zuschläge wie staatliche Steuern und
Gebühren erfasst, die eigentlich für alle Fluggesellschaften identisch sein
sollten. Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch, dass die Zuschläge im
Airline-Vergleich weit auseinander liegen. Bei Interkontinental-Flügen variiert
u.a. der Anteil der Tax Box zwischen drei und 18 Prozent. Im Domestic-
Bereich sind die Unterschiede noch deutlicher: Hier liegt die Spanne bei 18
bis 38 Prozent.

Firmentarife sind in speziellen Buchungsklassen der Airlines zu reservieren.
Die Fluggesellschaft entscheidet jedoch selbst, ob und zu welchem Zeitpunkt
sie diese Buchungsklassen verfügbar macht oder nicht. „Da die Fluggesellschaft
die Auslastung und den Ertrag eines Fluges über ihr Yield Management
steuert, stellt sich hier schnell die Frage, welchen Sinn Firmenverträge noch
machen“, kritisiert Wilbers die Vorgehensweise der Airlines. Bei identischen
Firmen-Netto-Raten kann die Ausgestaltung der Tax Box bis zu zwölf Prozent
Preisdifferenz ausmachen.

Die unterschiedliche Gestaltung der Tax Box-Anteile z.B. durch In- bzw. Exkludierung von Treibstoffzuschlägen hat erhebliche Auswirkungen auf die
Kosten in deutschen Unternehmen. Außerdem ergaben sich bei Back-End-
Vereinbarungen Differenzen von bis zu 15 Prozent der Auszahlungssumme.
So sparten die Fluggesellschaften durch Erhöhung der Tax Box-Werte im
Zeitraum 2007 bis 2009 insgesamt über 70 Millionen Euro an Rückvergütungen
ein. „Durch die Willkür in der Tax Box entstehen erhebliche Mehrkosten
in deutschen Unternehmen. Der VDR plädiert deshalb dafür, dass die
Gestaltung der Tax Box für alle Fluggesellschaften einheitlich und verbindlich
geregelt wird“, so VDR-Vizepräsident Ralph Rettig, der die Studie heute
gemeinsam mit Prof. Dr. Wilbers vorgestellt hat. „Mit der Preisgestaltung
verfügen Fluggesellschaften über ein mächtiges Instrument. Verlassen sich
Unternehmen und Reisebüros lediglich auf verhandelte Nettoflugpreise, so
warten bei den Gesamtflugkosten böse Überraschungen.“

„Wir brauchen wieder mehr Übersichtlichkeit in der Tarifstruktur, denn die
heutige Intransparenz führt zu erhöhten Prozesszeiten – im Reisebüro und bei
den Unternehmen“, fordert auch der Ausschussvorsitzende Business Travel
des Deutschen ReiseVerbands (DRV), Stefan Vorndran: „Gerade im
Interesse von Firmenkunden sollten Fluggesellschaften zu einer Vereinfachung
der Tarifstrukturen zurückkehren.“

Für die Studie „Total Cost of Trip“ hat das Forschungsteam der FH Worms
um Prof. Dr. Andreas Wilbers Flugpreise im Hinblick auf Nettopreis, Zusatzentgelte (Steuern, Gebühren, sonstiges) und Serviceklassen nach einzelnen Buchungsklassen aufgeschlüsselt. Die repräsentative Untersuchung hat jeweils die Zeiträume August bis September der Jahre 2007 bis 2009 verglichen. Grundlage waren Flugdaten mit einem monatlichen Volumen von
rund 150 Millionen Euro.