DIE REISEWIRTSCHAFT - Alle Ziele. Eine Stimme.
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DRV-Politikthemen 03-2014 mit Gastbeitrag von Dr. Hardy Ostry von der Konrad-Adenauer-Stiftung

Der Tourismus in Tunesien boomt: Allein in der ersten Jahreshälfte 2014 verbuchte das nordafrikanische Land rund 2,6 Millionen Touristen – davon 162 000 Deutsche. Nach einer Flaute infolge des arabischen Frühlings sind die Gäste wieder zurückgekehrt. Mit einer ehrgeizigen Strategie will die neue Regierung die Potenziale noch besser nutzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Neue Wege für ein offenes Land
Seit Jahrzehnten zählt Tunesien zu den beliebtesten Reiseländern in Nordafrika. Allzu lange jedoch war der Tourismus im Land einseitig aufgestellt. So verbringen nach wie vor 80 Prozent der Tunesienreisenden ihren Urlaub allein in strandnahen Hotelanlagen und verzichten weitgehend auf Besuche der umliegenden Regionen. Dies will die Regierung mit einer neuen Tourismusstrategie ändern. Ihr Ziel ist klar: Bis 2016 soll der Sektor als Wirtschaftsfaktor erneuert werden und so zur weiteren Öffnung des Landes beitragen. Kernpunkte:

  •  Angebote ausweiten: Die Regierung setzt auf Ökotourismus und auf kulturelle Angebote zum Beispiel rund um die Ruinen des historischen Kathargo. Hierzu stellte Tourismusministerin Amel Karboul im August ein Leuchtturmprojekt für sanften Kulturtourismus auf den Kerkenna-Inseln vor.
  • Standards heben: Tunesien ist bekannt als ein Land des klassischen Strand- und Badeurlaubs. Die Qualität der touristischen Infrastruktur ist dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor, um sich in diesem stark umkämpften Marktsegment behaupten zu können. Im September 2014 führte die Regierung deshalb ein nationales Qualitätslabel ein, um Angebote transparenter zu machen und den Wettbewerb um anspruchsvolle Kunden zu forcieren.

Die wachsenden Besucherzahlen der vergangenen Jahre will die Regierung dabei als Rückenwind nutzen. Die jüngst eingeführte Ausreisesteuer, die alle Touristen beim Verlassen des Landes entrichten müssen, kann sich dabei allerdings als kontraproduktiv erweisen.

(Redaktioneller Hinweis: Eine ausführliche Analyse  der Lage in Tunesien liefer der Büroleiter der Korad-Adenauer-Stiftung in Tunis, Dr. Hardy Ostry - siehe Anlage.)