Die organisierte Reise im Aufwind

Analysen von GfK und FUR zeigen entscheidende Trends

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Das Reisen hat für die Deutschen einen hohen Stellenwert – das ist bekannt: Doch diese Zahlen sind neu und überraschen: Für ihre Urlaubs- und Privatreisen geben die Deutschen rund 83 Mrd. Euro aus, davon werden Reiseleistungen in Höhe von 58,3 Mrd. Euro vor Reiseantritt in Deutschland gebucht. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Ausgaben jedes Jahr um rund 5,5 Prozent erhöht. Doch wie organisieren die Deutschen ihren Urlaub und wo buchen sie?

Erstmals legt der Deutsche ReiseVerband (DRV) zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen GfK im Vorfeld der weltweit größten Reisemesse ITB Berlin 2016 Auswertungen zum Reiseverhalten der Deutschen aus einem erweiterten Blickwinkel vor. Bei dieser Analyse wird der gesamte Markt der Urlaubsbuchungen aus Kundensicht dargestellt. Bislang standen bei der Betrachtung der Wirtschaftsergebnisse des deutschen Reisemarktes die Umsatzentwicklungen bei Reiseveranstaltern und Reisebüros im Vordergrund. Die nun zugrunde gelegte Gesamtsicht erfasst alle Ausgaben der deutschen Bevölkerung für Urlaubs- und Privatreisen ab einer Übernachtung.

Ein zentraler Trend der vergangenen Jahre: „Die Deutschen organisieren ihren Urlaub immer häufiger über professionelle Anbieter – spontane und selbstorganisierte Reisen ohne Vorausbuchung werden seltener. Und: wenngleich der Online-Verkauf von Reisen steigt, so ist das stationäre Reisebüro für den Kunden nach wie vor die wichtigste Verkaufsstelle“, fasst der Präsident des DRV, Norbert Fiebig, zusammen.

Eine der wesentlichen Erkenntnisse aus dem Blick auf die Gesamtreiseausgaben: Von den vorab gebuchten 58,3 Mrd. Euro Reiseleistungen wurden 2015 insgesamt 35,5 Prozent über Online-Kanäle und die überwiegende Mehrzahl von 64,5 Prozent über Offline-Vertriebswege wie dem stationären Reisebüro, Call Center oder direkt beim Veranstalter gekauft. Vereinfacht dargestellt werden bei den vorab gebuchten Urlaubsreisen ein Drittel online, zwei Drittel dagegen über Offline-Kanäle erworben. Vor drei Jahren betrug das Verhältnis 28,6 Prozent Online zu 71,4 Prozent offline. Der Online-Anteil hat dementsprechend seit 2012 um 6,8 Prozentpunkte zugenommen.

Betrachtet man den Markt der Online-Buchungen (die oben genannten 35,5 Prozent) genauer, so umfasst dieser vier Segmente:

  • Leistungsträger online (15 Prozent)
  • Produktportale (7 Prozent)
  • Online-Reisebüros (6 Prozent)
  • Reiseveranstalter-Websites (8 Prozent).

Im Offline-Reisemarkt (die oben genannten 64,5 Prozent) stellen die stationären Reisebüros mit 31 Prozent das größte Segment, vor den Leistungsträgern mit 20 Prozent und dem Veranstalter-Direktvertrieb mit 11 Prozent.

Fazit: Seit 2013 weisen vor allem der Online-Vertrieb der Leistungsträger, die Produktportale und Online-Reisebüros sowie die Veranstalter-Websites Zuwächse auf.

Betrachtet man detaillierter, bei wem die Bundesbürger ihre Reisen kaufen, haben weiterhin die traditionellen Reiseveranstalter die Nase vorn.

  • Rund ein Drittel der Urlaubsreisen (35 Prozent) reservieren sie bei den sogenannten Leistungsträgern direkt – das sind Fluggesellschaften, Bahn-, Hotel- und Mietwagenanbieter.
  • Zwölf Prozent werden auf Produktportalen gebucht – also Hotel-, Flug-, Mietwagen-Websites, auf denen jeweils nur eines der Produkte gekauft werden kann.
  • Mehr als die Hälfte und damit der Löwenanteil (53 Prozent) des Reiseumsatzes von insgesamt 58,3 Mrd. Euro entfällt aber auf die Reiseveranstalter, davon zwei Drittel auf stationäre und Online-Reisebüros.

Damit bleibt die von Veranstaltern angebotene klassische Pauschalreise mit verschiedenen eingeschlossenen Leistungen wie Anreise, Transfer, Hotel, Verpflegung etc. sowie die individuelle zusammengestellte Bausteinreise das bevorzugte Reiseprodukt der Bundesbürger.

Zahl der Urlaubsreisen: Online-Wachstum geht nicht zu Lasten der Veranstalterreise

Bei der Betrachtung der Zahl der Urlaubsreisen zeigen Auswertungen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reise (FUR) eindeutig, dass in den vergangenen 20 Jahren der Anteil der Veranstalterreise – also der organisierten Reise über Reisebüros und Reiseveranstalter – deutlich gestiegen ist. Waren es im Vor-Internet-Zeitalter (1995) 41 Prozent aller Urlaubsreisen, die über Veranstalter und Reisebüros gebucht wurden, sind 2015 insgesamt 47 Prozent aller Reisen als professionelle Veranstalterreise sowohl bei stationären Reisebüros als auch online gekauft worden.

Interessant dabei ist: Der komplett individuell und auf eigene Faust organisierte Urlaub verliert massiv an Bedeutung. Wurden 1995 noch 59 Prozent aller Urlaubsreisen ohne professionelle Unterstützung unternommen – dabei haben Reisende entweder direkt in der Pension/Hotel oder beim Fremdenverkehrsamt angerufen oder sind ohne vorherige Reservierung einfach losgefahren –, so ist der Anteil auf inzwischen nur noch 35 Prozent abgesackt.

Die Auswertungen der FUR zeigen, dass diese ehemaligen Individualreisenden, die früher spontan ohne Planung in den Urlaub gefahren sind, heute vorab ihre Reise im Internet buchen – und zwar 13 Prozent beim Leistungsträger direkt und 5 Prozent über Produktportale. Insgesamt werden heute 29 Prozent aller Urlaubsreisen online gebucht, davon fast die Hälfte über Online-Reisebüros und Online-Veranstalter.

Fazit: Das Wachstum bei Internet-Buchungszahlen wird überwiegend aus dem Segment der bislang Individual-Organisierer generiert – und weniger aus dem Segment der professionell organisiert Reisen (Veranstaltergäste).

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