Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, geopolitische Krisen, Fachkräftemangel und steigender Wettbewerbsdruck – die Herausforderungen für den Reisevertrieb sind vielfältig. Beim DRV-Tag des Reisevertriebs in Frankfurt am Main diskutierten rund 150 Branchenvertreterinnen und -vertreter darüber, wie sich Reisebüros und Vertriebsorganisationen erfolgreich für die Zukunft aufstellen können.
Die hohe Beteiligung und die intensive Diskussion zeigten deutlich: Die Branche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass der stationäre Reisevertrieb über wichtige Stärken verfügt, um diesen Wandel aktiv mitzugestalten.
Wirtschaftliches Umfeld bleibt herausfordernd
Zum Auftakt der Veranstaltung verwiesen DRV-Präsident Albin Loidl und DRV-Vizepräsident Ralf Hieke auf die aktuellen Rahmenbedingungen. Geopolitische Unsicherheiten, steigende Kosten und hohe Reisepreise beeinflussen das Buchungsverhalten vieler Kunden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Reisebüros, ihre Beratungs- und Serviceleistungen kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Loidl machte deutlich, dass sich der DRV weiterhin für wettbewerbsfähige politische Rahmenbedingungen einsetzen werde. Dazu gehören insbesondere Themen wie die Luftverkehrssteuer und die Belastungen durch den Deutschen Reisesicherungsfonds.
Krisenmanagement als neue Kernkompetenz
Wie sehr sich der Arbeitsalltag im Reisevertrieb verändert hat, zeigte die Diskussion zum Krisenmanagement. Was früher Ausnahmefälle waren, gehört heute vielerorts zum Tagesgeschäft. Melanie Gerhardt, Vorsitzende des DRV-Ausschusses Krisenmanagement, stellte die Branche auf einen weiterhin dynamischen Sommer ein.
Önder Sancarbarlaz, DRV-Vorstand der mittelständischen Reisemittler, machte deutlich, dass Reisebüros im Krisenfall noch stärker unterstützt werden müssen. Insbesondere schnellere technische Zugriffe auf Buchungen sowie effizientere Erstattungsprozesse seien notwendig, um Kunden professionell begleiten zu können und gleichzeitig die wirtschaftliche Stabilität der Unternehmen zu sichern.
Beratung bleibt der entscheidende Mehrwert
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Diskussion um Cashback-Modelle und deren Auswirkungen auf den Reisevertrieb. Auslöser war das aktuelle Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf im Verfahren zwischen AIDA Cruises und S-Markt & Mehrwert.
Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stand jedoch weniger die juristische Bewertung als vielmehr die grundsätzliche Frage im Vordergrund: Wodurch unterscheiden sich Reisebüros künftig im Wettbewerb?
Ann-Katrin Lukasiewicz, DRV-Vorständin für mittelständische Reisemittler, betonte, dass die Zukunft des Reisevertriebs nicht über Preisnachlässe entschieden werde. Kunden suchten Orientierung, Sicherheit und individuelle Beratung – insbesondere bei komplexen Reisen. Diese Leistungen seien der eigentliche Wettbewerbsvorteil des stationären Vertriebs.
Auch Uwe Mohr, Vice President AIDA Cruises, unterstrich, dass qualitativ hochwertige Beratung und Service langfristig wichtiger seien als Rückvergütungen oder Rabattmodelle. Gleichzeitig erläuterte er die Position von AIDA zum laufenden Rechtsstreit und bestätigte, dass das Unternehmen weitere rechtliche Schritte prüft. Nach seiner Einschätzung habe das Verfahren jedoch keine grundsätzlichen Auswirkungen auf das Handelsvertretermodell.
Neue Wege der Kundenbindung
Wie Kundenbindung künftig aussehen kann, zeigte Katrin Schmedemann von Travel Token Marketplace. Statt auf monetäre Rückvergütungen setzt das Unternehmen auf zusätzliche Leistungen und besondere Reiseerlebnisse. Der Ansatz verdeutlicht, dass Mehrwert nicht zwangsläufig über den Preis geschaffen werden muss, sondern auch über exklusive Services und emotionale Erlebnisse.
Gemeinsam Zukunft gestalten
Die Diskussionen beim DRV-Tag des Reisevertriebs machten deutlich, dass die Herausforderungen für die Branche groß bleiben. Gleichzeitig herrschte Einigkeit darüber, dass Reisebüros über starke Zukunftsfaktoren verfügen: persönliche Beratung, hohe Servicequalität, Vertrauen und Kundennähe.
Der DRV wird die beim Tag des Reisevertriebs diskutierten Themen und Handlungsfelder gemeinsam mit dem Expertenkreis Reisevertrieb weiter bearbeiten. Ziel bleibt es, den Reisevertrieb bei der Anpassung an veränderte Marktbedingungen zu unterstützen und die Zukunftsfähigkeit der Branche nachhaltig zu stärken.
Zu den Partnern und Ausstellern, die diese Veranstaltung unterstützt und ermöglicht haben, gehören: Ergo Reiseversicherung, GTS Global Travel Services, KlimaLink, Radio Frankfurt, Travel Token Marketplace und Zypern Tourismus
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