Über 150 Banken und Sparkassen haben in den vergangenen Tagen ein Schreiben vom Deutschen ReiseVerband (DRV) erhalten. Darin zeigen DRV-Präsident Jürgen Büchy und DRV-Vorstandsmitglied Angelika Hummel die für die Tourismusbranche negativen Auswirkungen des Vorgehens vieler Kreditinstitute auf, die ihren Privatkunden bei Buchung ihres Urlaubs über die Hausbank einen Preisnachlass in Form einer Rückvergütung versprechen. Nicht nur die Zentralen wurden angeschrieben, sondern sämtliche Standorte der Kreditinstitute, die diese Praxis als Kundenbindungsinstrument nutzen. Viele Banken sehen Rückvergütungen als Incentive-Zahlung an und verstehen dabei nicht, dass der Reisevertrieb – stationär wie online – damit massiv benachteiligt und die wirtschaftliche Existenz gefährdet wird.
Daher kämpft Reisebüroinhaberin Angelika Hummel, die auch Vorsitzende des DRV-Ausschusses Mittelstand / Touristische Reisebüros ist, seit geraumer Zeit auf verschiedenen Wegen gegen diese Geschäftspolitik. „Der Reisevertrieb wird durch branchenfremde Unternehmen sukzessiv zerstört. Juristisch ist diesem Gebaren allerdings grundsätzlich nicht beizukommen, das hat das Bundeskartellamt jetzt dem DRV mitgeteilt“, sagt Hummel. Der DRV hatte die Kartellwächter um rechtliche Einschätzung sowie um Stellungnahme gebeten. Allerdings stellt das Bundeskartellamt klar, dass „ein Reiseveranstalter nicht gezwungen werden kann, mit einem Unternehmen zusammen zu arbeiten“, da grundsätzlich Vertragsfreiheit herrsche.
Für den DRV-Ausschuss Mittelstand / Touristische Reisebüros ist es nun umso wichtiger, sich weiterhin mit Vehemenz für den Kampf gegen die Rückvergütungspraxis der Banken einzusetzen. Einen ersten Lichtblick sieht Angelika Hummel bereits: „Zahlreiche Banken, vor allem kleinere, haben auf unser Schreiben reagiert und räumen ein, dass der Marketingaufwand in keinem Verhältnis zu dem Ertrag für die Bank steht und sie deshalb überlegen, dass Angebot vom Markt zu nehmen.“ Nach dieser Einsicht müsse nun eine Initialzündung von den Banken ausgehen, diese Angebote zu streichen. „Dann werden auch andere nachziehen und die Praxis einstellen, mit der sie die Geschäftsgrundlage ihrer eigenen Firmenkunden entziehen“, ist Hummel überzeugt. Immer mehr Rückendeckung bekommt Hummel von den Reiseveranstaltern. Erst jüngst hatte ein Kreuzfahrtenanbieter Reisebüros angeschrieben, die sich nicht an den Agenturvertrag gehalten haben. „Konsequentes Durchgreifen ist wichtig“, lobt Hummel dieses Vorgehen.