Die Tourismuswirtschaft zieht Bilanz: 2011 ist ein Jahr mit einem neuen Rekordergebnis. Sowohl beim Umsatz als auch bei den Teilnehmerzahlen gab es in den vergangenen zehn Jahren kein besseres Jahresergebnis als das des touristischen Geschäftsjahres 2010 / 2011, das am 31. Oktober 2011 endete. Spanien, Griechenland und zahlreiche Fernreiseziele wie die Malediven sind dabei die Gewinner des Sommers 2011. Sowohl Reisebüros als auch Reiseveranstalter konnten mit einem überdurchschnittlichen Umsatzanstieg abschließen. Der Reisebüroumsatz kletterte um 2,1 Milliarden Euro und der Reiseveranstalterumsatz um 2,0 Milliarden Euro.
Nach dem vorläufigen Wirtschaftsergebnis, das der Deutsche ReiseVerband (DRV) zu Beginn seiner diesjährigen Jahrestagung im südkoreanischen Daegu veröffentlichte, erzielten die Reisebüros in Deutschland damit ein rund 9,5-prozentiges Umsatzplus gegenüber dem Vorjahreszeitraum und die Reiseveranstalter ein rund neunprozentiges. „Reisen ist und bleibt für die Deutschen ein zentrales Bedürfnis. Die Reiselust war 2011 ungebrochen“, freut sich Jürgen Büchy, Präsident des Deutschen ReiseVerbandes.
„Dass das Gesamt-Ergebnis so gut ausgefallen ist, liegt auch am Vorjahresergebnis, das noch deutlich von den Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 geprägt war“, erläutert Büchy. Zwar gab es bereits 2010 ein Wachstum, allerdings schlugen die niedrigen Arbeitslosenzahlen und die gute konjunkturelle Entwicklung auch erst 2011 unmittelbar auf den Reisemarkt durch. Für das kommende Jahr gehen die Marktforscher im DRV von einer anhaltend positiven Entwicklung des Reisemarktes aus: Sie halten ein moderates Marktwachstum von zwei bis drei Prozent für möglich – allerdings abhängig von der weiteren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und den Unwägbarkeiten im Euroraum.
Die Ergebnisse im Detail: Der Umsatz der stationären und Online-Reisebüros stieg im Touristikjahr 2010/ 2011 um mehr als 9,5 Prozent auf rund 22,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 20,4 Mrd. Euro). Rückblickend auf die vergangenen zehn Jahre betrachtet übertrifft dieses Ergebnis die bisherige Rekordmarke von 21,8 Mrd. Euro aus dem Jahr 2008. Die Reiseveranstalter setzten in diesem Jahr 23,3 Milliarden Euro um (plus neun Prozent gegenüber Vorjahr: 21,3 Mrd. Euro) und übertrafen damit deutlich das bisherige Spitzenergebnis der letzten Dekade: Im Jahr 2008 betrug dieses 21,4 Milliarden Euro.
Die weiteren Ergebnisse in der Übersicht:
Zu den Reisezielen, die sich im abgelaufenen Touristikjahr über ein wachsendes Interesse bei deutschen Urlaubern freuen konnten, zählten in Europa die Länder Spanien – hier insbesondere das Festland und die Balearen –, Türkei und Griechenland. Ebenfalls mehr Urlauber als im Vorjahr zog es zu den Fernstreckenzielen im Indischen Ozean – darunter Malediven, Seychellen und Sri Lanka –, sowie nach Thailand und in die Karibik. Unverändert stark gefragt waren Kanada, die USA sowie die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Rückläufige Gästezahlen verzeichneten aufgrund der politischen Unruhen Anfang des Jahres 2011 die nordafrikanischen Reiseziele Ägypten und Tunesien. Im Laufe der Sommersaison zogen die Buchungen für beide Länder wieder spürbar an, können allerdings noch nicht an das Niveau von vor den Ereignissen anknüpfen. Aber auch die Fernreiseziele Australien, Kenia und Südafrika mussten in diesem Jahr leichte Rückgänge hinnehmen. Ein wesentlicher Grund dafür sind die Mehrkosten aufgrund der Luftverkehrsteuer, die pro Person bei Langstreckenflügen mit 45 Euro zu Buche schlagen. Gerade auf den Fernstrecken hätte ohne die Verteuerung der Flüge durch die Bundesregierung das Wachstum noch stärker ausfallen beziehungsweise der Rückgang vermieden werden können.