„Das für 2011 geplante Provisionsmodell der Deutschen Bahn (DB) wird für die Reisebüros mit Bahnfahrkartenverkauf und damit auch für die Kunden in Deutschland negative Auswirkungen haben“, kritisiert Hans Doldi, Vorsitzender des Bahnausschusses des Deutschen ReiseVerbands (DRV). Für über zwei Drittel aller Bahnagenturen bedeute die Absenkung der Grundprovision sowie die unterschiedliche Behandlung der Standorte eine Verschlechterung der Vergütung, urteilt Doldi über das am heutigen Freitag, 23. April, von der Bahn vorgestellte Provisionsmodell. „Nur noch wenige DB-Agenturen werden nach diesen Plänen eine auskömmliche Vergütung erhalten“, bemängelt er. „Der DRV-Ausschuss Bahn fordert ein faires und damit für alle gerechtes Vergütungsmodell“, so Doldi.
Bei diesem Vergütungsmodell werde langfristig nicht nur die DB-Agentur der Verlierer sein, sondern auch der Kunde außerhalb der Ballungszentren. „Reisebüros werden überprüfen, ob eine DB-Lizenz noch finanzierbar ist“, befürchtet der Ausschussvorsitzende. Sollten die Erträge geringer ausfallen als der Aufwand, sei es wahrscheinlich, dass eine DB-Lizenz seitens einiger Reisebüros nicht mehr verlängert werde. „Der Kunde verliert die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wo er sein Bahnticket kauft. Kundenbindung sieht anders aus“, so das Fazit von Doldi. Damit könnte es künftig viel weniger Reisebüros geben, die Fahrkarten verkaufen. Beispielsweise für Einwohner auf dem Land und für ältere Mitbürger würde dies bedeuten, dass sie keine neutrale Beratung von einem Reisebüro mehr erhalten können.
Das neue Vergütungsmodell der Deutschen Bahn sieht vor, dass die Grundprovision von 4,5 auf 3,5 Prozent gesenkt wird. Leisure-Agenturen können einen Einnahmebonus von 3,5 Prozent bei einem Einnahmevolumen von mindestens 20.000 Euro erhalten. Bei einem Einnahmevolumen zwischen 7.000 bis 20.000 Euro sollen 2,5 Prozent an das Reisebüro gezahlt werden. DB-Agenturen mit geringeren Einnahmen erhalten keinen Bonus. Der Potenzialbonus richtet sich ebenfalls nur an die Leisure-Agenturen. Auch dieser gliedert sich in drei Stufen (Premium: vier Prozent, Profi 2,5 Prozent und Basis: null Prozent). Die Einstufung richtet sich nach geleisteten Maßnahmen wie Marketingaktionen, Teilnahme an Schulungen und Bestehen der Qualitätsmessung (zum Beispiel Mystery Shopping Tests).
„Nur wenige DB-Agenturen werden die Möglichkeit erhalten, einen Einnahmebonus von 3,5 oder 2,5 Prozent zu erreichen und somit deutlich schlechter gestellt“, so der Vorsitzender des DRV-Bahnausschusses. „Dies hat nichts mit den Leistungen des Reisebüros zu tun, sondern ist einzig vom Standort abhängig. Es werden Elemente in das System eingeführt, die teilweise nicht durch das Reisebüro steuerbar sind“, kritisiert Doldi das geplante Vergütungsmodell. Der DRV-Bahnausschuss sieht in dem neuem DB-Vergütungsmodell eine „inakzeptable Ungleichbehandlung der einzelnen Standorte, auch wenn das Gesamtprovisionsvolumen gleich bleiben wird“.
Nach Angaben der Deutschen Bahn werden zukünftig 70 Prozent der Leisure-Agenturen nur die Grundprovision von 3,5 Prozent erhalten. Dies wird in vielen DB-Agenturen zu dramatischen Rückgängen von bis zu 60 Prozent der DB-Vergütungen führen. Ausschussvorsitzender Doldi fordert „keine Kürzung der DB-Provision für den Großteil der DB-Agenturen, denn bereits jetzt ist die Vergütung für den Vertrieb nicht kostendeckend.“ Zudem müsse die Bahn jeder DB-Agentur eine Auswertung der Auswirkungen dieser geplanten Systematik auf die eigenen Umsätze im Jahresvergleich zur Verfügung stellen – so die Forderung des DRV-Bahnausschusses. Nur so können die Folgen auch für jedes Reisebüro aufgezeigt werden.